Flucht.

Heute war es dann soweit, der Kontrolltermin per MRT stand an.

Der ganze Tag war, nach meinem Gefühl, dem inneren Untergang geweiht, er begann schon total dunkel und unruhig.

In der Umgebung herrschte schlechte Stimmung, es ist manchmal schwierig, wenn zwei Menschen aufeinander treffen, denen es gleichermaßen schlecht geht. Seltsamer Weise geht die Empathie da ab und an flöten.

Ich verbrachte den Tag mit Warten, Grübeln, innerer Unruhe und der Angst, in der „Röhre“ keine Luft zu bekommen. Obwohl das nun wirklich nicht mein erstes MRT war, wird die Anspannung von Mal zu Mal größer und ekelhafter.

Hinzu kam eine beginnende Bronchitis, die das Atmen im Liegen noch mehr erschwerte.

Angekommen bat ich darum, das Kontrastmittel nicht zu spritzen, da ich davon schon einmal einen heftigen allergischen Zustand erlitt. Die Menschen in dieser Praxis sind wirklich toll, also bekam ich kein KM.

„Das geht auch so, kein Problem.“

Allerdings gab es auch keine Beruhigungsspritze, denn ich war alleine mit dem Auto dort, und danach dürfte man nicht mehr selber fahren.

Ein (sehr lieber) Pfleger wollte mir Verständnis für meine Ängste vermitteln und machte sie mit folgender Äußerung leider nur noch riesiger: „Ja, jaaa, ich verstehe Sie. Ich war einmal drin, und mein einziger Gedanke war, dass es ein Feuer gibt, alle wegrennen und die mich hier drin vergessen.“

Danke, lieber Mann.

Ok, Augen zu und durch…bzw hinein da. Vorher merkte die Arzthelferin noch an, dass ich ein ganz schönes Mammutprogramm vor mir hätte. Sie würde ein Kopf-, HWS-, BWS- und LWS-MRT normalerweise terminlich halbieren, kein Mensch würde es am Stück fast 2 Stunden dort aushalten, sagte sie.

Ich wollte es probieren. Geschafft habe ich nur eine Stunde, aber immerhin hatten sie die Kopf- und HWS-Aufnahmen im Kasten, sehr gut.

Nach der Prozedur war mir sowas von schwummerig und kalt…meine Güte war mir KALT! Ohne Hose (warum?) in diesem kalten Raum auf der kalten Liege mit noch kälteren Gedanken im Kopf und einem Blutdruck, der sich weit unter dem Meeresspiegel befand.

Noch im Auto schaute ich mir die Aufnahmen an, diesmal in Papierform, die kompletten Aufnahmen gibt es erst am Mittwoch auf CD, wenn ich für die BWS- und LWS-Aufnahmen wieder hinfahre.

Ich sah eine neue Läsion…groß…schaute mir das Rückenmark im HWS-Bereich an, und sah dort auch die blöden,  ungewollten weißen Flecken.

Mir wurde übel, und ich habe die Heimfahrt hindurch einfach nur geheult. Zuhause angekommen klebte Kolja an mir, wie eine angeleckte Briefmarke. Das Herzchen.

Es gibt so Momente, in denen man sich völlig leer, ausgesaugt und leblos fühlt. Das fühle ich seit heute Morgen. Man muss sich echt bemühen, nicht innerlich wegzuknicken und die Hoffnung zu verlieren. Plötzlich. Einfach so.

Das ist nur temporär, und ich glaube, jedem ergeht es mal so. Hoffnungslosigkeit. Totale Überforderung. Fluchtgedanken.

Flucht. Aber wohin? Die Sorgen gehen mit auf Reise.

Man will die ollen Gedanken zur Seite schieben wie eine Gardine am Morgen, hinter der die Sonne scheint und einem das Gesicht wärmt.

Aber die Gardine ist schwer, verdammt schwer. Wie Blei. Quasi.

Ich werde nun schlafen. Den Hund im Arm, herrlich. Was wären wir nur ohne unsere Seelenwesen?

Morgen sieht (vielleicht) schon alles anders aus, der Mut kehrt zurück, die Gardine wird leichter.

Und die Sonne scheint.

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3 Gedanken zu “Flucht.

  1. ich bin total erschüttert – froh dass ich gesund bin – kann nicht in worte fassen was ich denke nach diesen zeilen.

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