Halb voll, ganz leer.

Heute ist der letzte Tag im November 2012.

Ich habe jedes Jahr das Gefühl, dass die Zeit schneller herumgeht. Als Kind kam einem die Wartezeit bis zur Bescherung beispielsweise so lang vor, wie ein ganzes Jahr.

Jetzt zucke ich einmal mit der Wimper und es ist morgen.

In der vergangenen Woche ist wieder viel passiert. Diesmal versuchte ich, nicht allzu viel zu erwarten, sondern ließ jeden Termin einfach auf mich zukommen. Ist mir recht gut gelungen.

Es ging einmal um das MRT mit Kontrastmittel, davor hatte ich sehr großen Respekt, aber außer einem Gefühl von Alufolie im Mund und einem kalten Arm, in den das KM injiziert wurde, war nichts. Danach ein wenig Schwindel, aber das war nicht wirklich tragisch.

Ein Hoch auf diese Praxis, ein tolles Team.

Der Radiologe verabschiedete mich für dieses Jahr…vorerst. In drei Monaten geht’s dann weiter.

Die Suche nach einem, meinem, Neurologen brachte mir die Bekanntschaft mit einem neuen Arzt ein, eben einem Neurologen. Ich habe mich schon wohler gefühlt, als bei den zweien davor. Aber noch immer habe ich das Gefühl, mir wird dies und jenes unterschwellig aufgedrängt.

Hey, dachte ich, die Diagnose steht. Und nur, weil DER ARZT noch das und dies wissen möchte, was aber (nach seiner Aussage!) nicht mehr relevant für den weiteren Verlauf ist, entscheide ich mich erst einmal gegen weitere Tests. Es ist seit Sommer Alles doppelt und dreifach durchgeführt worden, und es reicht mir einfach.

Selbst wenn ich weiter suchen muss, will, fühle ich mich in der MS-Ambulanz im UKE sehr gut beraten und aufgehoben. Ich kann wirklich Jedem an MS erkrankten Menschen, der jegliche Beratung oder Auswertung in Anspruch nehmen möchte, diese Klinik empfehlen. Und das ist keine Schleichwerbung, sondern meine persönliche Meinung.

Da ich nun weiß, dass es erst im nächsten Jahr weitergeht, fehlt irgendwie was. Ist das nicht bescheuert? Denkt Ihr nun sicher.

Erst jammert sie uns den blog voll, wie sehr sie die ganzen Termine nerven, und dann…sowas. Tsts.

Ja, das ist eben so. Man gewöhnt sich eben an Vieles und vielleicht schlummert in mir noch die kleine Hoffnung, dass „das Alles“ doch nur ein Irrtum ist und diese meine Flecken im Gehirn und Rückenmark einfach nur eine kurzweilige Laune von wem oder was auch immer waren.

Aber nein, natürlich realisiere ich es jeden Tag mehr, dass ich nun weiß, woran ich bin, was da seit elf, bald 12, Jahren in mir und leider irgendwie ja auch gegen mich arbeitet.

Schon längst wollte ich in den letzten Tagen schreiben, was in mir vorgeht, aber ich bekomme es gerade einfach nicht auf den Punkt.

Kopf leer, Kopf voll. 

Vor zehn Monaten lag ich im Krankenhaus, mit einem Bandscheibenvorfall. Durch Zufall wurde (O-Ton Ärztin) „etwas weißes im Rückenmark“ entdeckt.

Dann, vor einem guten halben Jahr, schickte mich mein fleißiger Hausarzt aufgrund der Trigeminusneuralgie zum Kopf-MRT. Es wurden 10 Läsionen gefunden. Abends schaute ich mir die Bilder an. Und wusste, was los ist.

Das Jahr war bisher vielleicht nicht das schönste, aber auf jeden Fall eines, mit vielen, vielen sehr wertvollen Erkenntnissen.

Ich habe gemerkt, auf wen ich mich verlassen kann, habe Grenzen gesetzt und gelernt, auf wen oder was ich wie getrost verzichten kann. Dass der einzelne Tag zählt, der gute, die kleinen Dinge, die ich genießen und erleben kann, wenn ich nur will.

Kämpfen lohnt sich immer, auch wenn man ab und zu oder auch ganz oft nicht so doll kämpfen kann, wie man es gerne würde. Aber der Kopf, der kämpft mit.

Auch ein hängender, verzweifelter Kopf kann sich erholen und irgendwann wieder erhoben, hoffnungsvoll und stolz in die Welt schauen.

Das Jahr ist noch nicht vorbei, aber ich sage den vier wichtigsten Wesen in meinem Leben schon jetzt DANKE. Und: WUFF.

Ihr wisst, dass ihr gemeint seid.

 

 

 

 

 

 

 

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