Was anders ist.

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass ein Mensch sich alle 7 Jahre verändert, es findet angeblich ein Wandel statt.

Ob zum Guten oder Schlechten, wer weiß das schon. Normalerweise erwartet man ja von sich selbst eher einen positiven Wandel. Die typischen Pläne „mit 28 heiraten, mit 30 das erste Kind, vorher am besten noch ein Häuschen besitzen“ und so weiter…stehen, wenn „gewisse Dinge“ dazwischen kommen, nicht mehr auf dem Zettel.

Je kränker ich wurde, desto klarer wurde mir, dass ich mir das abschminken kann. Kind, Heirat, Haus.

Zum Thema Kinder möchte ich jetzt nicht allzu viel sagen, ich mag Kinder sehr, aber meiner Meinung nach ist der richtige Zeitpunkt einfach noch nicht da. Vielleicht kommt er auch nie, wer weiß.

Dass ich mal heirate, und mit diesem Mann ein Häuschen beziehe oder sowas in der Art, bezweifle ich nicht. Aber ich weiß, wie schwierig ich sein kann, gerade an den Tagen, an denen es mir schlecht geht.

Wenn Alles schmerzt, ich für zehn Meter, die ich laufen will, gefühlte zehn Minuten brauche. Wenn mir im Sommer, wenn andere schwitzen, eiskalt wird, sich meine Haut anfühlt, als fließe kaltes Wasser an ihr hinunter,wenn ich nach einer warmen Dusche denke, meine Arme und Beine verbrennen, oder mein ganzer Körper sich anfühlt, als sei er ein Flitzebogen, der sich niemals entspannen kann oder darf…gerade dann, bin ich häufig ungenießbar.

So wenig ich auch über meine Zukunft weiß, und je mehr ich lerne, die sogenannten kleinen Dinge zu genießen – mir fällt immer mehr und öfter auf, inwiefern ich mich in den letzten zehn Jahren verändert habe.

Ich verfalle nicht mehr so schnell in Panik. Es gibt Ausnahmen, da reicht ein Brief im Postkasten, von dem ich nicht einmal weiß, was darin steht, und ich hyperventiliere schon. Aber auch das lerne ich noch. Ruhe bewahren.

Also, ich verfalle nicht mehr so schnell in Panik. Bleibe cooler, zwinge mein Gehirn in Ausnahmesituationen den Sauerstoff verflixt nochmal für sich zu behalten, und nicht vor Schreck vollständig auszupusten.

Auch mache ich mich nicht mehr so schnell und so arg von anderen Menschen abhängig. Das mag mit der MS zu tun haben. Ich weiß, wenn es schlecht(er) läuft, dass ich auf kurz oder lang auf Hilfe anderer Menschen angewiesen bin. Das ist jetzt manchmal schon der Fall, und nicht gerade selten, aber an „diesen Tagen“ bekommt mich nur meine Familie zu Gesicht. Freunde kamen bisher noch nicht in diese Situation, und das möchte ich auch vorerst nicht.

Früher habe ich noch um Freundschaften gekämpft, die schon längst zu Ende waren, von der anderen Seite ausgehend. Aber es wurde noch immer fröhlich meine Hilfe in Anspruch genommen, die ich auch immer fröhlich weiter anbot.

Dann kam irgendwann der Punkt, wo ich ein regelrechtes, inneres Gespräch mit mir führte und mich selbst fragte: „Hast Du eigentlich einen an der Waffel?“

Ja, hatte ich. Habe ich jetzt ja auch noch. Aber anders. Einen an der Waffel.

Ich schaue mir Menschen nun länger an, höre länger dem zu, was sie von sich geben, spüre sehr schnell sehr kleine Kuriositäten, die auch bei mir vorhanden sind, die HSP, die dies nun lesen, wissen, wovon ich rede.

Und manchmal ertappe ich mich dabei, wenn ich denn mal mein Herz an einen anderen Menschen zu schnell verschenke, dass es verschenkte Zeit ist. Oder der andere mein Herz gar nicht haben mag. Dann nehme ich es wieder zurück, merke aber direkt, dass ich innerlich noch mehr auf Abstand gehe.

Das sind diese Momente, in denen ich etwas tue, und fast noch vorher zu mir selbst sage: „Lass‘ das!“

Pfffff.

Ich denke anders über berufliche Möglichkeiten nach. Mache mir keinen Druck mehr, sondern schaue, was möchte ich, was kann ich, welche Ressourcen sind ausbaubar und erweiterbar.

Und: Was liebe ich.

Und und: Wer will mich, mit dem, was in meinem Kopf abgeht, mit meiner Kopfsache. Es ist ein Risiko, keine Frage. Ich weiß einfach nicht, was in einem halben Jahr ist, in zwei Jahren, oder übernächste Woche. Vielleicht auch nicht, was morgen ist.

Das macht mir manchmal noch Angst. Ich glaube, da flüstert auch ab und zu ein kleines Paniktierchen in mein Ohr: „Ohgottohgottohgott!“.

Ru-He. Bit-Te.

Und und und: es gibt Leute, die wollen einen. Mich. Mit Haut und Haaren. Und auch mit ’ner Kopfsache.

 

 

 

 

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