Bis zum Ende.

Es gibt Menschen auf dieser Welt, die großartige Dinge bewegen und Tabuthemen gesellschaftsfähig machen wollen. Viele Tabuthemen warten noch darauf, nicht mehr tabuisiert zu werden.

Sie wollen ausgesprochen, beachtet, geachtet, erwähnt und ernst genommen werden. Das Menschen typische „Unter den Tisch kehren“ sollte so langsam aber sicher Vergangenheit sein. Quasi…unter den Tisch gekehrt werden.

Krankheit, Missbrauch, Behinderung und Armut – dies sind Beispiele für Themen, die sich zwar bombastisch in den Medien verkaufen lassen, die Drama und Aufsehen erregen. Aber werden sie ge- oder erklärt? Wird aufgeklärt?

Thema HIV. Mein Onkel hatte AIDS, war HIV-positiv. Mit solch einem Thema sollte man nicht an die falschen (unaufgeklärten) Menschen geraten. Die hören urplötzlich auf, Dich bei der Begrüßung zu umarmen. Also sowas.

Es gibt ein Thema, das geht uns alle an. Zwangsläufig. Wir alle sterben irgendwann einmal. Früher oder später. Falls wir lange auf dieser Welt verweilen dürfen, ereilt uns dieses Thema mit großer Sicherheit trotzdem irgendwann. Freunde, Familienangehörige, Bekannte oder Arbeitskollegen sterben. Sie verlassen die Hülle, in der sie ihre Zeit auf dieser Welt verbracht haben. Sie verlassen das Leben. Sie verlassen uns. So empfinden wir das.

Der Umgang mit der Trauer und der Endlichkeit unseres Daseins wird noch längst nicht in allen Familien offen kommuniziert, leider. Es scheint so weit weg zu sein. Gerade Kinder sollte man fernhalten vom Ende des Lebens, stehen sie doch gerade erst am Anfang, so denken wir. Kinder scheinen allerdings, wenn man es thematisiert, einen ganz anderen, offeneren und leichteren Bezug zum Sterben zu haben.

Der Himmel, die Sterne, die Engel. Da ist Etwas, was nicht unbedingt Angst machen muss, Panik erzeugt, sondern vielleicht sogar beruhigt, behütet und beobachtet.

Auch die Kleinsten unter uns müssen die Möglichkeit haben, sich zu verabschieden. Sei es vom Leben, oder von einem geliebten Menschen.

In meinem Praktikum innerhalb der Altenpflegeausbildung auf der Onkologiestation erlebte ich, wie Eltern eines 9jährigen, an Leukämie erkrankten Mädchens aus dem Zimmer kamen. Kreidebleich, traurig, erschöpft, verwundert.

Als ich sie fragte, ob ich ihnen helfen kann, sie etwas brauchen, brach es aus der Mutter hervor: „Unsere Kleine hat gesehen, wie wir weinten. Sie sagte, wir sollen nicht weinen. Wir sehen uns im Himmel wieder. Und so lange beschützt sie uns, sieht uns zu.“

Wenn Kinder sterben. Haltet die Welt an.

Zurück zu den Menschen, die die Welt bewegen, verändern und verbessern.

Claudia Cardinal ist so Jemand. Ich habe sie bisher nur zweimal getroffen. Das ändert sich glücklicherweise bald.

Claudia Cardinal ist Sterbeamme. Da ich nicht wüsste, wo ich beginnen und wo ich aufhören sollte, verlinke ich ihre wunderbare Website rechts unter „Berühr‘ mich“. So könnt Ihr Euch über die tolle, wichtige Arbeit, das Handeln, Fühlen, Erleben der Sterbe- und Trauerbegleitung informieren.

Macht das. Es ist so wichtig. Es geht uns alle an.

Wenn Ihr Euch gerade in einer schwierigen Krise Eures Lebens befindet, klickt die Seite trotzdem oder: gerade deshalb an. Und wenn Ihr dies tut: Hut ab. Die Gefühle, die da aufkommen, hochkommen wollen (müssen, dürfen), muss man erst einmal aushalten lernen – das sagte ich heute auch einer lieben Bekannten.

Und falls Ihr Euch lieber in Form von bewegten Bildern selbst ein Bild machen wollt, schaut doch mal hier rein: http://www.ndr.de/fernsehen/typisch525.html

Ich möchte Euch zudem aufmuntern, ermuntern, Hilfe zu suchen, wenn der ein oder andere Weg aussichtslos, zu schwer, schmerzhaft oder unbestreitbar scheint. Manchmal hilft ein neutraler aber verständnisvoller Blick von außen, um Probleme wenigstens ansatzweise zu lösen, aufzulösen.

Falls Ihr diesen Text bis hier her gelesen habt, danke ich Euch. Interesse ist der erste Schritt für Veränderungen.

Bis bald.

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