Mut.

Leben ist mutig, sehr mutig.

Wer sagt uns, dass all das, was wir bisher geschafft und geschaffen haben, nicht irgendwann, vielleicht sogar bald, in sich zusammenfällt oder sich in Luft auflöst?

Ein Wimpernschlag kann die Welt anhalten. Deine Welt. Meine Welt.

Man geht abends ins Bett, und weiß nicht, was morgen ist. Wacht man auf? Wie wacht man auf? Schmeckt man die Zahnpasta noch so intensiv, wie gestern? Riecht man den Duft der Tulpen auf der Fensterbank weiterhin? Schafft man diese winzige Bewegung, um seinen Hund zu streicheln und ihm einen guten Morgen zu wünschen?

Worte purzeln aus einem heraus, einfach so. Man fühlt häufig gar nicht, was man sagt. Man spürt eher eine gewisse Stimmung, und passt seine Worte dieser an. Doch passt die Stimmung, die diese Worte transportieren, auch immer zu der jeweiligen Situation?

Es ist mutig, seine eigenen Worte zu überdenken. Würden wir dies immer tun, würden wir viel langsamer leben. Das geht nicht immer, aber wäre es nicht schön, langsamer, und gleichzeitig intensiver zu leben, zu erleben?

Erfordert Mut nicht die Überlegtheit, unser Handeln genauer unter die Lupe zu nehmen, aber auch Dinge bewusster zu wagen und anzugehen?

Was ist dann feige? Abends ins Bett zu gehen mit der festen Überzeugung, morgens genau so perfekt, gesund, unüberlegt aufzuwachen, wie jeden Morgen unseres Lebens zuvor?

Leben erfordert wohl eine gewisse Geschwindigkeit. Ich empfinde, dass das Leben immer schneller, zügiger voranschreitet. Wird einem Zeit genommen, die Zeit für das mutig sein? Soll man sich diese Zeit einfach nehmen, oder schwimmt man hektisch in den Gegebenheiten mit, die den Rhythmus vorgeben?

Nach links und rechts gucken ist mutig. Denn rechts und links von uns geschehen Dinge, die sehr ernüchternd, entmutigend und erschreckend sein können, sind. Ob Menschen, die nur noch nach vorne blicken, doch mutiger sind, weil sie sich Neuem direkt und ohne Umschweife stellen? Suchen Menschen, die den Seitenstreifen betrachten, vielleicht nur Ausflüchte, um nicht die Zukunft, ihre Zukunft, bewältigen zu müssen?

Oder ist Mut etwas, das ganz klein und fein mit Dingen beginnt, die wir gar nicht als solche wahrnehmen…einem traurig schauenden Menschen morgens in der U-Bahn zuzwinkern, lächeln. Den Obdachlosen, dem wir die Zeitschrift abkaufen, fragen, wie es ihm geht – erfordert das Mut? Oder einfach ehrliches  Interesse?

Je länger ich mich mit Themen und Menschen auseinander setze, die mich belasten, mir nicht gut tun oder mir Unbehagen vermitteln, umso stärker werde ich. Allerdings musste ich das erst einmal zulassen, denn Mut gehört nicht zu meinen Stärken.

Den Blog eines anderen, vielleicht fremden Menschen lesen, finde ich auch mutig. Möglicherweise liest man Ansichten, die man so fürchterlich findet, dass man sie sogleich kommentieren möchte. Wenn man sich traut.

Oder man stellt fest, dass der eigentlich fremde Mensch, gar nicht so fremd scheint.

Oder umgekehrt.

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