Abschied.

Seit meinem letzten Umzug übe ich mich darin, nicht an allem, was mir lieb und teuer ist, zu arg festzuhalten.

Etwas ziehen zu lassen bedeutet für mich, schon einmal zu üben. Für später. Oder früher.

Nichts werde ich mitnehmen, wenn ich gehe.

„Mit ohne alles kam ich auf diese Welt. Mit ohne alles werde ich sie auch wieder verlassen.“ Ihr versteht.

Allerdings befinden sich schon ein paar Schätzchen in meinem jetzigen Besitz (eigentlich ulkig, in diesem Zusammenhang, oder?), die mir so sehr am Herzen liegen, dass ich seit geraumer Zeit schriftlich festhalte, welches Menschenwesen welches Schätzchen bekommen und behüten soll, wenn ich mal sterbe.

Warum eigentlich? Auch das ist wieder nur eine Leihgabe auf Zeit.

Das, wovon ich am meisten mein jetziges Eigen nennen kann, sind keine Schuhe, Taschen, Klamotten, Schminksachen, Schmuck oder Parfumflakons. Nein.

Bücher sind es. Und ich liebe sie, die Bücher.

Ohne ein Buch auf meinem Nachttischchen kann ich nicht einschlafen. Natürlich gucke ich auch ab und zu mal rein. Ziemlich oft ab und zu.

Ich liebe den Abend und die Nacht. Meine kleine, viel zu helle, grelle Leselampe.

Fühle mich wie der einzige Mensch auf dieser Welt, sobald es dunkel wird, alles ist ruhig, Jeder scheint langsamer zu leben. Die Atmosphäre ist so fein und klar, dass man seinen eigenen Atem fühlen und die eigenen Gedanken schmecken kann.

Jede Nacht hat für mich etwas von einem Neubeginn. Der allerdings mit jedem anbrechenden Tag wieder alt wird. Komisch, woll.

Ach, ja. Abschied.

Habt Ihr Euch schon einmal gefragt, ob und welches Lied bei Eurer Trauerfeier gespielt werden soll? Macht das ruhig mal.

Denn, wenn nicht…stellt Euch mal vor, die Hinterbliebenen lassen ein Lied spielen (weil sie es einfach nicht besser wissen) welches Ihr zu Lebzeiten so schrecklich fandet, dass sich Eure Fußnägel aufrollten. Wie Fingernägel auf Tafel. Das ist doch nicht schön.

Oder es befinden sich Rosen anstelle Eurer Lieblingstulpen an der Grabstelle. Wäre es Euch lieber, wenn die Menschen ihre Lieblingskleidung tragen, oder soll Jeder in schwarz erscheinen? Und Ihr, was ist mit Euch? Nur mal so…ein paar Gedanken.

Was ich sagen will:

Die Wenigsten möchten, während sie leben, an ihr eigenes Ende denken. Einerseits verständlich….oder auch nicht. Niemand von uns weiß, wann er diese Erde verlässt. Hoffentlich verweilen wir alle noch eine ganze, hübsche Zeit hier. Möglichst gesund und munter.

Aber das Sterben findet nicht erst nach unserem Tod statt, sondern gehört zum Leben dazu. Wir erleben diesen Lebensabschnitt. Und können ihn, sowie die uns betreffenden Angelegenheiten danach, wenn wir uns rechtzeitig damit auseinandersetzen, glücklicherweise mitgestalten und so unseren Hinterbliebenen eine große Last und viele, viele Entscheidungen im Vorfeld abnehmen.

Schafft das nicht ein beruhigendes Gefühl?

Wie geht Ihr mit diesem Thema um?

Die oft gehörte Aussage: „Kaum einer will sich mit dem eigenen Tod befassen, hat aber schon mindestens einmal erlebt, wie es ist, Jemanden zu verlieren“ finde ich schwierig, wenn nicht sogar falsch.

Ich habe sehr wohl Freunde, die bisher tatsächlich noch Niemanden bewusst verabschiedet haben. Entweder leben die Verwandten alle noch, oder sie starben, als meine Freunde noch sehr, sehr klein waren – was nicht heißt, dass sie den Abschied damals nicht bewusst miterlebten.

Das Thema Kinder und Trauer, Abschied, Sterben und Tod ist ein ganz eigenes.

Die, die mich kennen, wissen bereits, dass mir die genannten Themen sehr am Herzen liegen und ich definitiv dafür plädiere, die Menschen mit dem Sterben, dem Tod, der Trauer und individuellem Abschied in Berührung zu bringen und sie vor allem wieder lebendiger, fühlender zu machen. Sie zu sensibilisieren, es anzunehmen und auszuhalten, was mit uns passiert. Was mit ihnen passiert.

Es ist wichtig, einen Raum zu schaffen für das, was uns alle (ausnahmslos) betrifft und bewegt. Aufgeklärt, mit offenen Augen, ehrlich gestellten Fragen, und dem Gefühl dafür, was ein bewusster Umgang mit dem Abschied mit uns anstellen kann.

Ich wünsche mir, dass dieser Lebensabschnitt kein Tabu mehr ist. Dass nicht mehr weggeschaut wird, dass keine überforderten Augen mehr gerollt werden, dass keine Köpfe mehr peinlich berührt beiseite geneigt werden, dass die vorgehaltene Hand fällt.

Und bin sehr, sehr froh, viele Menschen an meiner Seite zu haben, die dieses Anliegen mit mir teilen und dafür arbeiten.

In den kommenden Tagen werde ich für alle Interessierten eine themenbezogene Bücherliste zusammenstellen.

Ich wünsche Euch eine wundervolle Woche.

Genießt Euer Leben. So ganz.

Seit Tagen habe ich Probleme, meine Gedanken schön und angenehm zu formulieren. Bitte seht es mir nach, wenn ich mich im obigen Artikel ein wenig verheddere und es sich ein wenig kuddelmuddelig liest.

Die Fatigue, die Fatigue…die doofe Kuh. Schankedön.

 

http://www.youtube.com/watch?v=CwpHKcpxoBY

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