Meine Kopfsache.

Mein gestriger Blogeintrag arbeitet bis jetzt in mir nach.

Während ich ihn schrieb, korrigierte und später in einem durchlas, durchlebte ich noch einmal die beschriebene Zeit. Und mir wurde klar, dass da so vieles ist, was ich tatsächlich bis gestern vergaß. Nicht verdrängte, ich glaube, Dinge zu verdrängen kostet eine gewisse Form von Mühe. Ich habe bestimmte Ereignisse schlicht und einfach vergessen.

Allerdings tat es unheimlich gut, die ganze Sache mal von vorne aufzurollen und zu „Papier“ zu bringen. Ich habe das Gefühl, nun einen richtigen Anfang zu haben, den ich, wann immer mir danach ist, fortführen kann. Und zwischendurch schreibe ich weiter über meine aktuellen Erlebnisse.

Wie heute.

Was für ein Sonntag.

Auf Facebook postete ich vorhin Folgendes (da ich mir diese Worte buchstäblich von der Seele schrieb, werde ich sie hier 1:1 wiederholen, ich möchte sie nicht abändern):

„So ein Sonntag.
Da fahre ich gemütlich zum HNO-Notdienst, weil ich auf dem rechten Ohr seit ein paar Tagen nichts mehr höre, es seit heute Nacht auch weh tut. 

Ein freundlicher, aufmerksamer Arzt nimmt mich in Empfang.
„Sind Sie erkältet?“, er so nebenbei.
„Nee.“, ich so nebenbei.

Wegen ’nem dichten Ohr hin, und mit der Gewissheit zurück, dass der Tumor, der mir bereits 2x entfernt wurde, wieder in den NNH ist, und (für mich neu), sich wohl über den Knochen hermacht.

Also: kommende Woche geht ein erneuter Arztmarathon los, und ich hoffe (wahrscheinlich zwecklos), dass keine 3. OP ansteht.

Ich Dummerchen, das hat er mir doch vorhin gesagt: „Da kommen Sie um eine erneute OP nicht herum. Einfach wird das nicht, weil durch die MS einige Medikamente nicht eingesetzt werden können, die wir sonst verwenden. Außerdem kann die OP einen nicht unerheblichen Schub auslösen.“

Bin begeistert.

In meinem vorherigen Leben muss ich ein Arschloch hoch 10 gewesen sein. Oder?
Was gut ist: das volle Programm wird diesmal aufgefahren, um eventuelle „Nebenschauplätze“ zu bemerken.

Bitte: falls ich in nächster Zeit nicht sofort auf Mails o.ä. antworte, vielleicht sogar Verabredungen verdussel, nehmt es mir nicht übel. Allein durch dieses erneute vor Augen halten, wie dringlich das nun ist, fühle ich mich überfordert und genervt. Überfordert – wohl nicht nur ich. Wenn ich schon so genervt bin, wie ergeht es dann meinem Umfeld? „Die ist ja andauernd krank, ich kann es nicht mehr hören“, kann ich mir gut vorstellen, solche Reaktionen. Total verständlich.

Ich weiß, wahrscheinlich gucken eine Handvoll Leutchen ab und an mal auf mein Profil, haben vor allem bei dem Wetter anderes zu tun, aber trotzdem lag mir das jetzt auf’m Herzen.

Lieben Dank für’s Lesen.
Ich betreibe jetzt Seelenpflege. 
Hundis, wo seid Ihr?

Jammermone.“

Mir war in den letzten Jahren völlig klar, dass mir das wieder passiert. DAS war Verdrängung pur. Quasi in Bestform. Diese Art von Papillom, welches bei mir einmal eine teilweise Entartung zeigte, wenn ich mich recht erinnere, gehört zu den Tumoren, die liebend gerne Rezidive bilden. Da ich meinen Papa vorhin telefonisch darum bat, mir die alten histologischen Berichte, die noch bei meinen Eltern sind, per Post zu schicken, damit mein neu entdeckter, freundlicher HNO sie sichten kann, stellte ich fest, dass seit der letzten, zweiten OP acht Jahre vergangen sind.

Acht Jahre. Erneute Entfernung des Knotens und eine Septumkorrektur. Mir klingt noch die beruhigende Stimme vom Anästhesisten in den Ohren, ich weiß, wie mein damaliges Krankenzimmer aussah, in dem ich vor der OP so nett von der Krankenschwester betreut wurde, weil ich so nervös war und Angst hatte. Und in dem ich postoperativ 3 Tage am Stück meine Narkose ausschlief.

Schmerzen oder andere Beschwerden hatte ich danach nicht, das war für mich so erstaunlich…ich freute mich so dermaßen darüber, nach dem Eingriff schmerzfrei zu sein, dass ich zu meinen Eltern sagte: „Na, dann wäre ein drittes Mal auch kein Problem.“ Klaro, damals hoffte ich auch, dass es kein drittes Mal geben wird. Dessen war ich mir eigentlich sogar ziemlich sicher.

Allerdings folgte die Ernüchterung auf dem Fuße. Das Ziehen der Wundtamponaden war der absolute Horror. Hat Euch schon einmal Jemand einen Meter, in Wundwasser und angekrustetem Blut getränkte Mullbinden aus den frisch operierten Nasennebenhöhlen gezogen? Neben dem unwahrscheinlich ekelhaft schmatzenden Geräusch, fühlte es sich neben den Schmerzen an, als söge man mir mein Gehirn aus dem Kopf.

Allerdings gilt auch hier der Spruch: Schlimmer geht immer.

Die Wochen danach, in denen ich zur Wundnachsorge in die Praxis meines HNO-Arztes fuhr, waren voll von dem Gedanken „Dann doch lieber zur Wurzelbehandlung“. Diese lange Sonde, die einem durch die Nase „in den Kopf“ geschoben wird, um die Wundflüssigkeit abzusaugen, KONNTE doch gar nicht der Länge nach in meinen Kopf passen. Was, wenn ich mich nur einen Millimeter bewege? Zersticht der Arzt mir dann meine Augen? Mein Gehirn? Werden meine Nerven aufgespießt?

Ich fühlte mich wie eine der Zauberboxen von David Copperfield, in die er Schwerter spießte, und danach alle beteiligten, leicht bekleideten Damen unversehrt, mit breitem Perlweißlächeln heraushüpften.

Eben diese Gefühle, Sorgen und Schmerzen flogen heute zu mir zurück und frischten die Erinnerungen auf. Der freundliche Weißkittel sagte, es gäbe heutzutage die Möglichkeit, vor der Wundnachsorge die Nasenschleimhaut mit einer Salbe lokal zu betäuben. Es sei dann weniger schmerzhaft.

Allerdings wäre das Thema MS nicht unerheblich.

Aha.

Und mein Trigeminusnerv, der eh schon angekratzt ist? Ich las, dass eine der möglichen Folgeschäden eine dauerhafte Verletzung des Trigeminusnerves sein kann. Ein bisschen Schwund ist ja immer. Haha. Aber genau das sind meine Ängste. Pest oder Cholera? Weiterhin nur über ein Nasenloch Luft bekommen, ständig eine Bronchitis und eine Sinusitis haben und sich morgens eine Stunde lang die Schädeldecke aus der Nase niesen – oder Angst vor eventuellen Folgeschäden haben , nach der OP aber wieder normal atmen können? Und, ganz wichtig: diesen Untermieter los sein, der in 10% aller IP-Fälle maligne, also bösartig wird?

Sobald der Bericht bei mir ist, watschel ich also noch mal zum HNO. Hoffe, dass der mir sagt, es wurde in den paar Tagen ein superduper tolles Wundermittel gefunden und zugelassen, durch welches ich nicht operiert werden muss, es keine Komplikationen gibt, das super gut schmeckt UND zusätzlich noch die MS heilt.

Ist Träumen nicht was Wunderbares?

 

http://www.youtube.com/watch?v=hTgbKc5QIiU

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2 Gedanken zu “Meine Kopfsache.

  1. Liebe Mone, mit dem Arschloch sein, im letzten Leben, k ö n n t e s t du natürlich die Erklärung gefunden haben … nur, leben tust du ja jetzt. Bist diesmal keine fiese Möp und schlägst dich mit Körperlichkeiten rum, wo man wünschen möge, dass dieses Thema doch erst ab 80 Jahren so wirklich aktuell sein sollte. Jetzt hast du den Salat schon so früh und arg, und es ist sicherlich eine ebenso schwere Bürde, das ganze mental zu wuppen. Ich glaube du bist auf einem guten Weg, dein Leben zu leben und wünsche dir alle Kraft dazu. Sich Schwächen zu zugestehen und auch diese Phasen zu überstehen. Vor allem vergiss bitte nicht, der Angst immer wieder eine reinzuhauen damit sie dir dein Leben nicht noch schwerer macht. Leicht gesagt, aber total wichtig! Nicht aus den Augen verlieren … bitte.

  2. Hey, finde es gerade sehr gut, dass du so viel aus dir rausschreibst, dich zeigst. Hoffe, und wünsche dir, dass es dir helfen kann. Und Daumendrücken ist selbstverständlich, bin dabei, gern. 🙂

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