Gastblog I | Marie-Luise

Vor einiger Zeit kam mir der Gedanke, dass ich es ganz schön fände, wenn Freunde, Bekannte oder Angehörige hier zum „Gastbloggen“ reinschneien.

Ich erzählte das meiner Mum, und tadaaa…heute kam eine Mail, im Betreff: „einfach nur so / oder für deinen blog“, mit folgendem Text:

„Lieber Schatz,
 
heute möchte ich dir mal einiges mitteilen, was ich dir schon lange schreiben wollte. Du weißt ja, dass dein Papa Schwierigkeiten damit hat, persönliches niederzuschreiben oder in Worte zu fassen; er denkt aber genauso wie ich, das ist sicher.
 
Im Herbst 2008 bist du nach Norddeutschland gezogen. Du hast dich im Sauerland nicht wohlgefühlt und bist als Erste aus unserer Familie also im Norden gelandet. Um es vorweg zu nehmen: heute sagst du manchmal, du hättest Heimweh nach dem Sauerland; ich glaube aber, dies betrifft eher uns, deine Eltern. Deswegen ist es auch sehr gut, dass wir uns einige Male im Jahr sehen können und dass es nicht mehr lange dauert, bis auch wir den Weg gen Norden antreten.
 
Nun zurück zum Anfang:
Als der Tag kam, an dem du endgültig in Richtung Norden  zogst, bist du ein paar Mal vom Auto wieder an die Haustür zurückgekommen und wolltest plötzlich gar nicht mehr weg. Du hast sehr geweint und hätte einer von uns einen kleinen Anstoss gegeben, du wärest hier geblieben. So habe ich meine Tränen verdrängt und all meine Überredungskünste angewandt, damit du den einmal eingeschlagenen Weg verfolgen konntest.
In der nächsten Zeit hast du bei Freunden gewohnt; dies war mehr oder weniger problematisch. So hat meine tapfere Tochter in den letzten Tagen, bevor wir mit deiner Freundin Kamila und deinen Möbeln ankamen, in der bereits angemieteten, leeren  Wohnung verbracht und dabei auch noch gearbeitet.
Dann kamen wir drei mit all deinen persönlichen Dingen, Möbeln und deinen Haustieren, den drei Rattenmädchen und halfen dir dabei, die Wohnung einzurichten.
 
Von da ab haben wir dich oder du uns immer wieder mal besucht und fleißig telefoniert. Was dich betrifft, folgte nochmals ein Umzug; so dass du nun in der Nähe deiner Arbeitsstelle wohntest.
Was diese Arbeitsstelle betrifft, durfte man dort nicht krank werden. Das hast du zu spüren bekommen, als du nach einer etwas längeren Erkrankung im Dienst zurück warst. Du wurdest „rausgemobbt“. Die Menschen, die dies zu verantworten haben, wissen sicher bis heute noch nicht, welch gute Arbeitskraft sie haben gehen lassen, denn mit den damaligen Bewohnern des Altenheims kamst du prima klar.
 
Schließlich bist du am Rande von Hamburg gelandet, wo du dir bessere Berufsaussichten versprachst. Doch letztendlich machte dir deine Gesundheit einen dicken Strich durch die Rechnung. Was das betrifft, ist in der Zwischenzeit viel passiert und du hast dich immer wieder alleine hochgerappelt; davor ziehen wir, deine Eltern, den Hut!
 
Vor ein paar Jahren trat Roman in dein Leben und ihr wart und seid immer füreinander da. Das bedeutet für uns eine große Erleichterung.
 
Du musstest leider noch ein paar Mal umziehen: da war die verrückte Nachbarin, die beinahe das Haus abgefackelt hätte und sich als Psychopathin entpuppte. Dann bekamst du einen schlimmen Bandscheibenvorfall und konntest die Stiege zu deinem Schlafzimmer nicht mehr hochsteigen. Zum Schluss, Roman und du, ihr wohntet bereits zusammen, hattet ihr gesundheitsschädlichen Schimmelbefall in der Wohnung, was den Vermieter nicht kümmerte und ihr musstet noch einmal umziehen.
 
Nach jahrelanger Odyssee durch zig Arztpraxen hast du endlich in Hamburg den Arzt gefunden, der dir bei der Suche nach der Krankheit geholfen hat, die du schon lange hattest und die nun endlich einen Namen hat: im Jahre 2012 bekamst du die Diagnose MS.
Das hat dich sicherlich erst einmal unbeschreiblich geschockt, andererseits weißt du nun endlich, was das ist, das dich jahrelang „aus der Spur geworfen“ hat. Uns traf es mit aller Macht und ich glaube, dein Papa und ich haben uns immer noch nicht an den Gedanken gewöhnt, dass unser Liebstes so sehr krank ist. Als hätten die schlimmen Geschichten um mich in den vergangenen Jahren nicht genügt.
 
Trotz allem bist du in einer Situation, in der andere aufgegeben hätten, wieder „aufgestanden“ und lernst sogar auch jetzt noch weiter.
 
In der Zwischenzeit hast du  noch zwei „Rohdiamanten“ adoptiert; zuerst Kolja, der ein noch größeres „Schmuckstück“ wurde. Es folgte Pedro, der auf dem besten Weg ist, auch ein solches zu werden, und zwar aufgrund deines Wissens und mit ganz, ganz viel Gefühl.
 
All die Menschen, die dich in der Vergangenheit ausgenutzt haben, diejenigen, die dir vorwarfen, du seiest viel zu sensibel, die dich haben hängen lassen, sollten wissen, wie viel Stärke in dir wohnt und wie viel Lebenswille.
 
Für all die neuen Aussichten, die sich für dich in den letzten Wochen eröffnet haben, drücken wir dir ganz fest die Daumen. Erinnere dich auch in schlimmen Momenten an deine Stärke und denk immer daran, dass wir für dich da sind. Wir haben dich sehr lieb.
 
Deine Mama“
Der erste, offizielle Gastblog soll also dieser Brief sein.
Ich freue mich diebisch, auch auf das, was da noch so kommt, und…
…hole mir kurz ein Tatü.
 
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3 Gedanken zu “Gastblog I | Marie-Luise

  1. Herrjemineee *schnief auf der Arbeit*. Gut das der Chef beschäftigt ist.
    Ganz lieben Gruß. Mila

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