Folgezeichen.

Vor einiger Zeit schrieb ich (in „Erste Zeichen„) darüber, wie Alles begann. Also, die MS und so.

Damals gab es eine Situation, die ich nie vergessen werde, unter normalen, gesunden Umständen jedenfalls.

Meine Mutter befand sich mitten in der Chemo. Es war früher Mittag, ein Sonntag, meine Mum machte ein Nickerchen und mein Vater war im Garten beschäftigt. (Dort stand damals unsere alte Holzbank, die meine Mutter in einem total schönen, altrosa Farbton anstrich, und zuvor mit Schleifpapier anraute. „Ein Farbtupfer muss her!“ Das weiß ich noch.)

Ziemlich unvermittelt begann bei mir wieder ein Schmerzschub. Und zwar so stark, dass ich mich kaum noch bewegen konnte. Selbst die dünne Bettdecke auf meinem Arm verursachte mir starke Schmerzen. Der Zustand, in dem ich mich wie so oft selbst von oben betrachtete, war wieder da.

Ins Krankenhaus wollte ich nicht schon wieder, also rief mein Vater den ärztlichen Notdienst.

Nach einer ganzen Weile traf ein Ärzteehepaar bei uns ein, welches gemeinsam arbeitete. Während der Mann mich sehr vorsichtig untersuchte, redete die Frau mit meinem Vater. Sie bemerkte ziemlich schnell, dass ich (und das formuliere ich nun einfach mal so) nicht die einzige „Baustelle“ in diesem Haus war. Ich bekam am Rande mit, wie sie zu meinem Vater sagte: „Das ist gerade Alles ziemlich viel für Sie, oder?“

Mein Dad ging mit feuchten Augen aus dem Raum, ich hörte ihn schluchzen. Das tat so weh. Mehr als mein Arm schmerzte.

Nach einer Weile kam er zurück, wirkte wieder gefasst und beriet sich noch mit den Ärzten. Ich bekam ein pflanzliches Schmerzmittel gespritzt und ein leichtes Beruhigungsmittel, damit ich mal ein paar Stunden am Stück schlafen konnte.

Was ich mir, neben oben genannten Dingen, sehr zu Herzen nahm, war folgende Bemerkung der Ärztin: „Versuche nicht, gegen Deinen Arm, gegen die Schmerzen anzugehen. Arbeite nicht gegen deinen Körper, das wird Dir nicht gelingen. Je eher Du versuchst, dieses Handicap als einen Teil von Dir anzuerkennen, desto eher lernst Du, damit umzugehen und diese Schübe mit einer gewissen Ruhe zu managen. Und auszuhalten“

Ja, so war es und so ist es.

Seit diesem Sonntag habe ich nie wieder Sätze wie „Ich hasse meinen Arm“ oder „Wäre er doch nur ab“ fallen lassen. Nie wieder. Wie gut das auch meinem Umfeld tat, kann man sich wahrhaftig denken.

Stattdessen kümmere ich mich einfach anders um dieses schwache, etwas benachteiligte Stückchen Körper, das zu mir gehört, das ich bin. Und, auch wenn das für Euch jetzt ein wenig seltsam klingen mag, seitdem ich weiß, wer in dieser Schmerzgeschichte die Fäden in der Hand hält (nämlich Tante MS), gerate ich nicht mehr so schnell in Panik, wenn sich ein unterschwelliger Druck meldet. Toi toi toi geht es mir in dieser Hinsicht, auf meinen linken Arm bezogen, seit 2008 wirklich, wirklich gut.

Das empathische Ärzteehepaar war übrigens maßgeblich daran „Schuld“, dass mein Interesse für die Naturheilkunde, welches durch das enorme Wissen meiner Mum eh schon recht groß war, noch mehr wuchs und wuchs, und ich schließlich Tierheilpraktikerin wurde. Danke dafür, falls Sie das hier lesen.

Ich merke mal wieder selbst, welche guten Dinge Erkrankungen mit sich bringen können. Das ist einfach so. Ich wurde schon oftmals recht barsch angefeindet, wenn ich bemerkte, dass die MS mir in vielerlei Hinsicht die Augen öffnete oder mir schlicht und einfach zu einer Steigerung meiner Lebensqualität und -ansicht verhalf.

Der offene Umgang durch das Schreiben. Als Beispiel. Ein Ventil, welches ich im Stillen für mich, nur mit mir und meinen Gedanken begann. Und dem mittlerweile viele Menschen folgen. Eines der nettesten Komplimente bekam ich vor ein paar Tagen. Da sagte eine Mitleserin, dass „hinter meinem Blick auf die Dinge so eine Ruhe liegt“ – danke, V. 😉

Da komme ich doch gleich, zackig, pfeil- und blitzschnell und OHNE weitere Umschweife zu folgender Sache:

„meine 7 leben“ hat nun auch eine eigene Facebookseite 🙂 mögt Ihr mich da mal besuchen, oder mir sogar ein „Like“ schenken? Vielleicht lerne ich ja so auch den einen oder anderen stillen Mitleser kennen. Das wäre schön!

https://www.facebook.com/meine7leben

Wünsche nun allseits eine gute, erholsame Nacht. Oder ’ne richtig wilde. Aber voll.

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