Murma.

Komm‘, setz Dich zu mir.

Na, wie fühlst Du Dich? Was fühlst Du gerade?

Du siehst angespannt aus. Nachdenklich. Ein wenig traurig.

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Gehen Dir tausend Dinge durch den Kopf? Versuchst Du, für Probleme Lösungen zu finden oder zu entschlüsseln, ob sie überhaupt wirkliche Probleme sind?

Fragst Du Dich vielleicht, wofür das Alles gut ist, was geschieht? Warum Du Dir diesen Stress antust? Dir für andere den Kopf zerbrichst und es die anderen gar nicht juckt, ob er tatsächlich irgendwann einmal zerbricht? Hast Du Fernweh und hegst eine tiefe Sehnsucht nach dem, was einmal war? Nach denen, die einmal waren?

Fühlst Du Dich einsam, auch wenn Du mitten in einer tanzenden Menschenmenge stehst und um Dich herum nicht mehr als 5 Zentimeter Bewegungsfreiraum besitzt? Fragst Du Dich, wieso Niemand wahrnimmt, was in Dir und mit Dir vorgeht? Weshalb Keiner sieht, dass unerklärbare Schmerzen Dir fast das Bewusstsein nehmen?

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Wozu die Eile? Du atmest gerade sehr flach. Hol doch mal Luft.

Komm‘, nun setz Dich doch endlich. Zieh‘ mal Schuhe und Socken aus und mach es Dir bequem.

Fühlst Du den warmen Sand unter Deinen Füßen? Wie weich und gleichzeitig rau er über sie weggleitet und zwischen Deinen Zehen wieder hervorkommt? Das kitzelt ein wenig, oder?

Spürst Du die Sonne im Gesicht? Wie sie Dich wärmt, Dich umhüllt, einhüllt, wie sie riecht?

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Wann hast Du Dich das letzte Mal auf eine Bank gesetzt und bewusst die Sonne auf Deiner Haut gespürt? Dich daran erfreut, welche Farben sie zaubern und verwandeln kann?

Schau mal, da hinten…ein Schiff. Welche Ruhe es ausstrahlt, welche Weisheit, wie es stets die Wellen bricht und seinen Weg verfolgt, auch auf rauer See.

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Die Wellen, sie tragen das Schiff, glitzern in der Sonne und mit ihr zusammen um die Wette. Wie der Sand von jeder Welle auf’s Neue rein gewaschen wird. Die Muscheln, siehst Du sie? Glatt, fast schon weich, leicht wie die Federn, die ab und an neben ihnen liegen, um gleich wieder wegzufliegen. Jede Welle macht eine neue Welt. Innerhalb von Sekunden verändert sich der kilometerweite Strand, eine ständige Erneuerung, Veränderung. Immer im selben Rhythmus, mit der selben Ruhe.

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Wann hast Du Dich das letzte Mal ganz, ganz ruhig gefühlt? Auch, als ein Sturm wütete und ein Gewitter Deinen blauen, klaren Himmel verdunkeln und Dich von Deinem Weg abbringen wollte?

Wann hast Du Dich das letzte Mal getragen gefühlt? Verlässt Du Dich auf die Wellen, auch wenn die See sie rauer erscheinen lässt? Hast Du das nötige Vertrauen in Dich selbst, um in der Not, völlig allein und auf Dich selbst angewiesen, stark und weitsichtig zu sein, zu bleiben?

Kannst Du Dir vorstellen, dass Du es, ganz allein, schaffen kannst, nach einem Sturm, der alles verwüstet und zerstört, was wir unser Hab und Gut nennen, wieder Boden unter den Füßen zu spüren? Nicht die Übersicht zu verlieren, sondern deinen Blick für das Andere, Neue zu schärfen? Den warmen Sand wahrzunehmen, der Dich trägt, Deine unsicheren Schritte abfedert und einen eventuellen Sturz sanft auffängt?

Kannst Du Dir vorstellen, die Sonne als einen leichten, fast unsichtbaren Schal zu betrachten, den Du Dir um den Hals legen kannst? Der Dir Wärme, Schutz und Halt spendet, wenn Dir kalt ist, Du Dich ausgeliefert fühlst und Du glaubst, dass Dein Leben aus dem Takt gerät?

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Wenn Dir kein Leuchtturm dieser Welt den Weg weisen kann, sondern Du nur auf Dich gestellt bist, mit einer kleinen, flackernden Taschenlampe in der Hand? Schaffst Du das?

Wovon machst Du das abhängig? Meinst Du, Du bist bei Dir selbst? Bist Du DU selbst? Lässt Du es zu, Du selbst zu sein? Oder fand irgendwann einmal eine Veränderung statt, die Dir den Rückenwind nahm und Dich ausbremste?

Ohne Dich gäbe es Dich nicht. Und es ist so schön, dass es Dich gibt. Sag mal, weißt Du das?

Manchmal braucht man nur ein wenig Wind. Rückenwind und Sonne. Und einen Drachen. Dann ist es möglich, mit ein wenig Anlauf und einer entspannt getragenen Leine, Auftrieb zu gewinnen, sich einen Überblick zu verschaffen. In einer Welt, die ohne zu fragen die Kontrolle übernehmen will und Deinen Blick einschränkt. Dann ist es möglich, die Sichtweisen zu ändern, sich auf eine andere Ebene zu begeben, Kraft zu sammeln und…

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…zu fliegen.

Auch allein.

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Ein Gedanke zu “Murma.

  1. Das hast du wirklich wunderschön geschrieben. Liebe Mone, damit hast du fast eine komplette Szene aus meinem Film beschrieben 🙂 na sowas! Man könnte deinen Post dazu lesen und er würde wie .. naja du weißt schon .. auf Eimer passen!
    Auch sehr stimmungsvolle Fotos .. super! Freu mich auf dein Buch!

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