Aerosole und Hello Kitty.

Heute habe ich die Diagnose Asthma erhalten.

Uff.

Ich beginne mal vorne, beziehungsweise am Samstag, denn die Zeit davor kennt Ihr ja bereits.

Samstagvormittag schnappten Roman und ich uns die Hunde und fuhren in einen sogenannten Hundewald in Ostseenähe. Mir fiel dermaßen die Decke auf den Kopf und das Wetter sollte ja okay werden. Schon der kleine Hügel, der vom Parkplatz zum Wald führt, machte mir Probleme. Ich hatte andauernd Schlagseite, war nach kürzester Zeit durchgeschwitzt und fror gleichzeitig tierisch. Schwindelig und völlig atemlos schlurfte ich dann durch besagten Wald, bis Roman meinte, ich sähe so schlecht aus, dass wir lieber wieder nach Hause fahren sollten.

Ich wollte aber unbedingt noch an die Ostsee, die 5 Autominuten von uns entfernt lag, weil die Sonne sich plötzlich zeigte und ich Seeluft schnuppern wollte. Also noch einen kurzen Abstecher dorthin und, was soll ich sagen, es war herrlich.

Eine gute halbe Stunde später fuhren wir zurück. Ich nickte andauernd ein, wurde aber von der Atemnot und dem keuchenden Husten immer wieder wach.

Am Nachmittag traf Roman sich mit einem Kumpel, einige Zeit später simste ich ihn an; ich bekam einfach keine Luft mehr, jedenfalls gefühlt.

Wir fuhren ins Krankenhaus. Keine lange Wartezeit, Blutbild, Feuchtinhalation, Sauerstoffmessung, EKG, Vitalwertekontrolle usw.. Gegen 21:30h kam dann die Assistenzärztin mit den Ergebnissen. Sie müsste mich stationär aufnehmen, da ich eine starke Hyponatriämie, also Natriummangel habe. Auf mein leises Mosern hin hörte ich dann die Worte „Herz“, „gefährlich“, „COPD“ und noch so ein paar Sätzchenschätzchen. Gut.

Während Roman nach Hause fuhr, um mir ein paar Klamotten und alles Nötige zu holen, inhalierte ich fleißig weiter. Dann kam ich auf die Station, meine Bettnachbarin war eine liebe, 79-jährige Dame, die vor ein paar Tagen einen Herzinfarkt erlitt.

Die Nacht war ätzend. Ich konnte nicht schlafen, war total unruhig, weil ich mir immer wieder in den Kopf rief, was die Ärztin alles sagte. Auch die Nachtschwester brachte mich ins Grübeln. Ich fragte gegen 2 h morgens nach einer weiteren Flasche Wasser. Die bekam ich nicht. Mir wurde eine Einfuhrbeschränkung von 1,5 l pro Tag aufgebrummt, weil vermutet wurde, dass mehr Flüssigkeit mein Herz belasten würde.

Uff uff.

Zwei Stunden später ging ich wieder auf der Station spazieren und teilte der netten Schwester mit, dass ich heute definitiv wieder nach Hause fahren würde, ich mir beim besten Willen nicht vorstellen könne, plötzlich herzkrank zu sein und mir das Ganze über den Kopf wächst. Sie verstand das, bot mir Baldrian zur Beruhigung an, und vermerkte meinen Wunsch im Schwesternzimmer.

Gegen 5 h schaute ich das letzte mal auf die Uhr, und zwar nachdem ich (wie jeden Morgen um diese Zeit) in einem klitschnassen Bett lag und meine Haare und mich abtrocknen und frisch machen musste. Um kurz nach 7 h kam eine Assistenzärztin ins Zimmer gepoltert, rief barsch meinen Nachnamen. Ich rief zurück: „Hier!“ Sie wollte mir Blut abnehmen. Als ich sie in Kenntnis darüber setzte, dass ich die Klinik am gleichen Tag verlassen will, hörte sie auf zu arbeiten und sagte: „Jo. Dann brauche ich mir ja auch nicht die Mühe machen und Blut abnehmen, oder?“ Ich entgegnete, dass es ihr überlassen wäre, ob ich mit ungewissen Natriumwerten nach Hause ginge, oder nicht. Einen fiesen Stich und keine Verabschiedung später kam das Frühstück.

Die Schwestern im Tagdienst an diesem Sonntag wussten leider allesamt nicht, wozu eine Tür eine Klinke besitzt – nach dem 4. Knallen, und dem zum 4. Mal synchron mit meiner Zimmernachbarin senkrecht im Bett sitzen, merkte ich das an. Danach herrschte in dieser Hinsicht tatsächlich Stille, aber es wurde auch nicht mehr als nötig mit mir gesprochen.

Danach plauderte ich angeregt und lustig bellend mit meiner Zimmergenossin und schlief irgendwann ein. Gegen 11 h kam der Stationsarzt mit einer weiteren Assistenzärztin im Schlepptau, um mir mitzuteilen, dass meine Blutwerte wieder tip top seien. Auch keinerlei Entzündungswerte. Äh…aber die angebliche Lungenentzündung? Ist keine. Er sagte mir in den paar Minuten, bis er wieder ging, ungefähr 5 Mal, dass er mich nur gehen ließe, wenn ich Montag umgehend meinen Hausarzt aufsuchen würde. Ja, versprochen.

Um halb drei holte Roman mich dann ab. Meine Hundis…hach.

Der Abend und die Nacht verliefen für mich stark angrenzend an eine Panikattacke. Dass der Stationsarzt mir meine Frage, ob ich denn nun wohl möglich herzkrank sei, schlicht und einfach nicht beantwortete, und der Verdacht, schwarz auf weiß auf dem Entlassungsbrief zu lesen, dass COPD im Raum stünde, machte mich schier wahnsinnig. Ich stand, lag, saß völlig neben mir. Ein wenig ist das jetzt auch noch so. Auf Facebook schrieb ich (mit einem Foto verknüpft, welches ich hier aber nicht veröffentlichen werde):

„Eine Momentaufnahme.
Ich habe ein wenig Angst. Ich will das Alles so nicht mehr. 
Ich will wieder gesund sein, auch wenn ich überhaupt nicht mehr weiß, wie sich das anfühlt.

Ich habe Angst vor dieser Atemnot. 
Auch, wenn die MS eine arschige Krankheit ist, sie hat mir bisher noch nie die Luft zum Atmen genommen, mich noch nie in einen Panikzustand versetzt, in Angst davor, zu ersticken. So kurzamtig zu sein, dass ich nach 30 Metern zusammenklappe, wie gestern Mittag.

Dieses bisschen Kontrolle hatte ich bis vor Kurzem noch. Und nun soll das das nächste Paket für meinen Rucksack sein? Und dieses Paket hat noch nicht einmal einen Namen, sondern bisher unterschiedliche. Wieder warten, wieder bangen.

Ich habe jetzt gerade keine Kraft mehr für diesen Rucksack. Möchte ihn kurzzeitig parken. Energie, die ich nun so lange positiv nutzte, ist jetzt gerade, in diesem Moment wie weggeblasen. Ich bin nicht depressiv, nein. Ich bin zutiefst traurig und verunsichert.

Habe ein schlechtes Gewissen, in meinem Umfeld nur noch „die ständig Kranke“ zu sein. 
So sehe ich mich nicht! Aber macht es das Reden und Schreiben besser?
Ich nehme mir vor, dieses Paket einfach nicht mitzunehmen. Annahme verweigert.
Aber ist das so einfach? Glaube soll ja Berge versetzen.

Was wäre ich ohne Roman, ohne meine Eltern, ohne die Hundis. Aber egal wie sehr man getragen wird, den eigenen Rucksack muss man immer selbst schultern.
Also, eine kleine Pause, langsam durchatmen, und weiter.

Mone.“

Heute, nach 2 Stunden Schlaf, fuhr ich dann sehr früh in die Praxis meines Hausarztes, in der auch eine Lungenfachärztin arbeitet. Die Arzthelferinnen merkten schnell, dass es mir mehr als bescheiden ging, und verfrachteten mich auf eine Liege. Nach einem Becher Wasser und ein wenig Ruhe kam ich wieder runter.

Obwohl ich ohne Termin aufkreuzte, wurde nach einem ausführlichen Gespräch mit der Ärztin ein Lungenfunktionstest sowie ein umfassender Allergietest gemacht (Hund, Katze & Pferd = negativ). Nach gut drei Stunden stand dann nach vielen Er- und Aufklärungen fest, dass ich Asthma habe.

Ich bekam mein „Asthma-für-Anfänger“-Päckchen sowie einige Rezepte und die Kopie der Allergietestauswertung in die Hand gedrückt. „Vollblut-, Vollzeitallergikerin“ nannte mich eine Arzthelferin, weil ich die gute halbe Stunde des Tests ohne den Drang zu Kratzen überstand. Ich war einfach nur völlig erschöpft und so froh, dass ich in dieser Praxis nunmehr seit 2008 so gut aufgehoben bin, und ernst genommen werde. Das ist heutzutage nun sicher nicht selbstverständlich.

Ich bedankte mich, mit neuen Terminen und vielen Infos im Gepäck, für die schnelle Hilfe, und es ging ab nach Hause.

Am Nachmittag wurde dann noch ein CT der Nasennebenhöhlen gemacht. „Da kommt unsere Stammpatientin“, strahlte mich die radiologische Assistentin an.

Ohje.

Oder: Uff uff uff.

Die sind alle so nett, ich habe in dieser Hinsicht ein verdammtes Glück, stelle ich fest.

Auf dem Nachhauseweg kaufte ich dann noch Geschenke für die kleine Tochter einer ganz lieben Freundin, die bald ihren ersten Geburtstag feiert. Und mir gönnte ich eine unwahrscheinlich kitschig-schön-schreckliche Frottee-Hello-Kitty-Tasche für meine „AfA“-Utensilien.

Ich bin einfach nur müde. Liest man das? Ich merke es irgendwie an meinem Schreibstil, finde ihn seltsam öde. Danke, dass Du trotzdem bis hierher gelesen hast.

Kann heute mit Sicherheit gut schlafen. Reizüberflutung.

Gute Nacht.

 

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