Unten.

Der gestrige Tag war äußerst seltsam.

Ich hatte etwas vor, auf das ich mich eigentlich sehr freute, jedoch kam „Alles anders“. Ohne ins Detail zu gehen kann ich sagen, dass mich mein Gefühl mal wieder nicht täuschte.

Kennst Du das?

Man steht auf, weiß, heute soll Dies und Jenes stattfinden. An manchen Tagen freut man sich darauf, weiß felsenfest, Dies und Jenes findet definitiv und auf jeden Fall und ganz sicher statt.

An anderen Tagen spürt man schon, vielleicht manchmal auch unbewusst, dass das Vorhaben flach fällt oder es nicht wert ist, erlebt zu werden.

Heute hatte ich das zweite Gefühl. Und ging trotzdem los. Schaute in den Himmel, die Wolken brachen auf und die Sonne schien so kräftig, wie noch nie in diesem Jahr.

Ankunft. Kann man ankommen ohne selbst mitgegangen zu sein?

Eine sprichwörtliche Panne passierte, nein, zwei Pannen. Eine menschliche, und eine technische.

Im Endeffekt glaube ich, dass der technische Defekt mich vor einem weiteren menschlich hervorgerufenen Defekt geschützt hat.

Was es nicht Alles gibt. Tjoh.

Allerdings raubte mir dieser Abend einige Nerven. Meine drei silbernen Haare an der linken Kopfseite dürften vorhin Verstärkung bekommen haben.

Roman holte mich mit den Hunden ab, raus aus der Pannensituation, zurück ins sichere Nest, zurück dorthin, wo man sich aufgehoben fühlt, keine Rückendeckung braucht, schlecht träumen und sich im Schlaf winden und aufdecken darf, weil man weiß, wenn man aufwacht, Alles ist okay. Sich einfach wieder zudecken. Einfach so.

Als ich, zu Hause angekommen, aus dem Auto stieg und gleichzeitig meckerte wie ein Rohrspatz, weil mir gewisse unverschämte Verhaltensweisen wildfremder Menschen nicht in die Schublade mit der Aufschrift „Verstand“ fallen wollten, sackte ich völlig in mir zusammen.

Ein Schlag vor den Kopf, nein, im Kopf erinnerte mich grob daran, dass ich auf mich achten muss. Soll. Will. Muss. Soll. Will…

Das geschah das letzte Mal vor über einem Jahr.

Ich hatte sofort Schlagseite und saß auf meinem Hosenboden. Atmete tief ein, aber nicht aus.

Den Kopf in meinen Händen vergraben, zusammengerollt wie ein in den Winterschlaf gefallenes Eichhörnchen hockte ich nun auf dem Parkplatz und atmete tief ein…aber nicht aus. Versuchte, mich wieder zu fühlen, zu greifen, zu begreifen, dass mein Nervenkostüm gerade völlig gegen die aktuelle Klamotte protestierte. Ich solle mich gefälligst umziehen!

Liebe Nerven, in Watte kann ich euch nicht packen. Auch Ihr, anfällig, schutzlos wie Ihr durch Tante MS seid, müsst leben, und zwar mit mir.

Aber ich muss auch mit Euch leben, und auf Euch achten.

Das tue ich, das tue ich. Aber manchmal geht Ihr einfach mit mir durch. Ich kann Euch, und mich, nicht vollkommen vor jedweder Stresssituation schützen. 

All das schoss mir durch meinen schwankenden Kopf, während Roman mir beim Aufstehen half und mich sorgenvoll anschaute.

In der Wohnung klebten Kolja und Pedro an mir wie zwei angeleckte Briefmarken. Was ist denn nur los? Es ist doch nichts allzu Schlimmes geschehen.

Du hast Dich übernommen, klang es auf einmal in mir.

Erst als ich mich eine Weile mit den beiden aufs Bett legte und selbst spürte, dass ich langsam wieder den Boden, den sicheren Halt unter mir fühlte und der Schwindel verschwand, wurden sie ruhiger. Einatmen. Und aus.

Ich war wieder bei mir. Und somit wieder ganz. So ganz, wie es eben möglich ist. Mit all dem Kaputten.

Vergesse ich wieder einmal, dass ich auch „Nein! Stop! Mit mir nicht!“ sagen darf? Wieso? Eigentlich tut es doch sehr gut, Grenzen zu setzen. Mir fällt auf, dass ich mich so gerne, erfolgreich und stark für andere Lebewesen einsetze. Der eigene Einsatz für mich hinkt gerade ein wenig hinterher.

Kaputt sein ist nicht schön. Und wenn man bedenkt, dass es Menschen gibt, die nicht nur Autos kaputt reparieren, sondern auch andere Lebewesen, sollte man sich ganz genau überlegen, welche Werkstatt man aufsucht, wenn eine Reparatur ansteht.

Das Beste ist noch immer die Prophylaxe.

Auf sich achten.

Und atmen.

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