Etwas.

Das Wochenende steht ungeduldig scharrend vor der Tür.

Die Woche war…ja, wie war die eigentlich? Recht gut, würde ich sagen.

Die Medikamente gegen mein Asthma schlagen langsam aber sicher an und vermelden: „Dit kriegen wa hin, wa!

Sehr gut, weiter so.

Allerdings frage ich mich, was die letzten zwei Nächte mit meinem Körper los war. Was wollte der mir nur mit folgender Aktion sagen?

Schauen wir uns die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mal genauer an. Brille auf und ran an den Speck.

Ich bin, anders als sonst, eher als sonst, müder als sonst, gegen 23:00 h ins Bett geflogen. Schnappte mir ein Buch, kuschelte mich unter und in meine Decke, ein Tee zu meiner Linken und zwei Toffifee ebenfalls.

Sonst lese ich wenn möglich so lange, bis meine Augen so schwer werden, dass ich ohne großartige Grübeleien einschlafen kann. Aber ich wurde immer wacher. Unruhiger. Unzufriedener. Meine Parästhesien machten mich nach einer guten Stunde wirklich verrückt. Der linke Unterarm, auf dem ich mich zeitweise abstützte, verschwand irgendwann völlig aus meinem fühlbaren Radius. Arm? Hallo? Mein Gesicht machte fröhlich mit, ebenso der rechte Unterleib (bisher war „nur“ der linke taub). Zudem fing ich nach einer Weile an zu zittern. Und zwar wie Jemand, der in eine Steckdose gepackt hat und die letzten Nachbeben des Schlags seiner sich beschwerenden Nerven über sich ergehen lässt. Nur länger.

Insgesamt 3 Stunden hielt dieser Zustand an. Arg doller Schwindel samt Schlagseite und eine ekelhafte Kälte gesellten sich noch hinzu. Die Heizung stand auf Stufe 5, volle Pulle Hitze und ich daneben, zwei Paar Socken tragend, und bibberte wie ein Miniaturpresslufthammer.

Während ich den armen Roman weckte („Roooman? Du…ich glaube, ich stehe kurz vor einer Panikattacke, wachste mal auf? Wachste…Roman? Roman? ROMAN?!„) schwankte ich hin und her und betete, zu wem auch immer, dass ich bitte bitte bitte keinen aufgesetzten Schub erleide. Jetzt gerade. Nachts. Mensch, mein gutes Buch. So ein Ärger. Scheiß auf das Buch, was ist los mit mir? Kann denn mal einen Tag lang, eine Nacht lang, nichts Olles passieren? Ein Tag? Für mich in Frieden allein? Nur einer?

Eine Tasse Johanniskrauttee später und ein wenig Lavendelöl intus habend lagsaß ich im Bett und fragte mich, was das war. Diese Wucht und diese Kombination war mir fremd.

Mir lief ein Filmchen vor dem inneren Auge ab. Was war anders? Was gab es Neues, in Sachen Tante MS? Ich kann mir nicht mehr wirklich gut Dinge merken, die mit Zahlen zu tun haben. Selbst die Handynummern meiner Eltern, die sie seit Ewigkeiten haben, kenne ich nicht mehr auswendig. Auch Geburtstage mir nahe stehender Menschen vergaß ich dieses Jahr zum ersten Mal. Scheiß Gefühl. Sprachblockaden…ja. An die gewöhne ich mich langsam aber sicher. Die aufflammende Trigeminusneuralgie halte ich komischer Weise gerade im Zaum. Weiß aber aus Erfahrung, dass das kein Endzustand ist. Naja, wie Alles eben. Richtig?

Ich so im Bett.

Ich dachte an all meine Lieben, an all das, was die letzten Jahre, die man ja immerhin Leben nennt, so los war. Was die mit uns anstellten. Was wir mit ihnen anstellten. Teilweise geschah Furchtbares. Schreckliches, Trauriges. Ja, 70% Asphalt, 30% Ponyhof. Übertrieben? Nein. Wie man es sieht. Verlust, Einbuße, Abschied, Kampf, Hoffnung, noch mehr Kampf.

Aber wir traten diesen Zeiten gehörig in den Arsch. Aber sowas von. „Das schaffen wir (auch noch)!„, wurde unser Mantra. Irgendwann schafften wir es dann, den schlechten Zeiten mit einem wahnsinnig breiten Perlweißlächeln in den Arsch zu treten. Und, ganz wichtig, sie anzunehmen. Schlüsse zu ziehen, die wir sonst vielleicht nicht erkannt hätten.

Nicht alles Schlechte ist schlecht.

In besagter Nacht wurde ich ruhiger. Was morgen passiert, weiß Niemand. Das, was soeben mit mir geschah, kann eine Art Vorahnung gewesen sein. Oder einfach nur Angst. Inmitten der weichen, schwachen, verletzbaren Zeit, in der ich mich ausruhte, all meine Kanäle, meine Sinne dem Inhalt eines Buches widmete, und somit offen war für Alles (Was steht auf der nächsten Seite?), lugte Etwas fauchend um die Ecke und traf mich mit solch einer Wucht, dass ich sogar einen derzeit kranken, tief schlafenden Mann weckte, damit er mir sagt, dass Alles gut ist.

War es dann auch. Zwar nicht Alles, aber all das, was wichtig war, in dieser Nacht. Ich fand mich wieder, und somit die Ruhe und später auch den Schlaf. Träumte durchaus lebhaft und fies, und beschloss, wieder mit einem Traumtagebuch zu beginnen.

Die darauffolgende Nacht begann (früher als davor) genauso fies, aber ich konnte das dunkelbraungraue, fauchende, böse guckende Etwas mit einem lauten, innerem „STOP!“ vertreiben.

Sehr gut, weiter so.

Und wie lustig es sein kann, Traumtagebuch zu führen, habe ich vor einigen Jahren bereits schon erfahren. Ein Jahr lang habe ich das durchgehalten. Habe dann, gemeinsam mit einer Freundin, besagtes Werk durchgelesen und hoffte an einigen vielen Stellen, dass sie davon absieht, mich an einen Psychiater zu verweisen. Lustig, interessant, verwirrend, teilweise sehr aufschlussreich.

Unsere Träume.

Ich wünsche Euch ein schönes, erholsames, schmerzfreies und sonniges Wochenende.

Träumt schön…

…und einen Gruß an die Traurigen, die, die zur Zeit nicht träumen können. Die, deren Tränen feststecken oder sich in Luft aufgelöst zu haben scheinen. Die, die das Gefühl haben, nicht mehr weitergehen zu können. Die, die denken, alle offenen Tore und Türen sind nur für sie geschlossen.

Bald. Bald kommen sie. Die Träume, die Tränen. Die Aufbruchstimmung und das Licht, das sich langsam und leise durch den Türspalt durchschleicht.

Träumen, Weinen, Gehen. 

Sehr gut, weiter so.

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