An meiner Seite.

Bist Du da? Ich fühle Deine Nähe, wie ich sie so oft fühle.

Noch immer bin ich mir nicht sicher, ob ich während Deiner Anwesenheit laut mit Dir sprechen soll, oder ob es ausreicht, an Dich zu denken, mit Dir zu denken. Ein „Sollen“ oder „Müssen“ gibt es hier wohl nicht. Soll, muss es nicht geben. Es ist pures Gefühl.

Ich hatte ein sehr schönes, erfüllendes aber auch anstrengendes Wochenende. Der heutige Tag hat mir sehr zu denken gegeben, es ging auch um Dich. Du bist ein Teil von mir, manchmal ist mir so, als säßest Du auf meiner Schulter, als hätte ich Dich Huckepack, oder als wärst Du direkt neben mir, wenn ich mir abends die Zähne putze. Oft stelle ich mir vor, wie wir im Schneidersitz auf dem Bett sitzen, und uns unterhalten. Die eine blasser, als die andere. Verblasster?

Es gibt Zeiten, in denen ich selten an Dich denke. Vielleicht machst Du Dich auch nur bemerkbar, wenn Du es für richtig hälst oder Lust darauf hast. Das ist natürlich völlig in Ordnung, wer weiß, was Du so Alles zu tun hast, dort, wo Du jetzt bist.

Es fehlt ein Stück. Ein großes, lebensfrohes, buntes und phantasievolles Puzzle, das unvollständig ist. Oder ein Stück…verblasste.

Ich möchte es wieder mit Farbe füllen, ihm Leben einhauchen, einen Platz in meinem Leben geben.

Siehst Du den Kleiderhaken dort? Der ist für Dich. Manchmal hänge ich eines meiner Kleider darüber, jedoch, wenn der Bauch beginnt zu grummeln und ich unruhig werde, hänge ich es schnell wieder ab.

Dieser Platz soll frei sein, für Dich. Und sei es ein unsichtbarer Mantel, eine Mütze oder ein Schal.

Wer weiß, vielleicht friert man auch dort, wo Du jetzt bist.

Wenn ich im Bett liege und lese, spüre ich ab und an diesen Luftzug im Gesicht. Ganz deutlich. Ganz sanft. Kein Fenster ist dann geöffnet, es tritt Niemand durch die Tür. Ich nehme es als Botschaft wahr, als Deine Botschaft. Eine liebevolle Geste, eine Aufmerksamkeit, Du schenkst mir Beachtung, damit ich Dich ebenfalls bemerke.

Das ist schön, es beruhigt und schenkt mir inneren Frieden.

Nun ist Herbst, und die Winterzeit rückt in greifbare Nähe. Schon als Kind mochte ich keine Jahreswechsel, weder die Knallerei, noch die (teilweise pseudo-) optimistischen, lauter als nötig ausgesprochenen Vorsätze für das neue Jahr. Sollten Veränderungen, die wir für wichtig halten, nicht immer angebracht sein? Als eine liebe Bekannte kürzlich an den Jahreswechsel und die eigene Stimmung, die damit einhergeht, erinnerte, machte mich das sehr nachdenklich.

Mittlerweile mag ich auch Weihnachten nur noch bedingt. Da ich gerne schenke, und anderen eine Freude bereite, ist dieser Tag okay. Aber es ist eben ein Tag. Ein Tag, an dem ich dich als sehr, sehr nah empfinde. Ein Tag, an dem ich jedoch nicht so mit Dir umgehen kann, wie mit den lieben Menschen, die noch bei mir sind.

Warum eigentlich nicht? Hindert mich die Vorahnung von unwahrscheinlich großer, mich überwältigender Traurigkeit daran, laut auszusprechen, dass Du mir fehlst? Gerade an diesen Tagen? Was Du mir bedeutest? Dass Du viel zu früh gegangen bist? Die Einladung in das Leben abgelehnt hast. Wie sähest Du wohl heute aus? Was hätten wir für Gemeinsamkeiten, was würde uns unterscheiden? Über was würden wir lachen, wegen welchen Dingen streiten?

Meine Einladung, Dich weiterhin bemerkbar zu machen, wenn es in Deiner Kraft und in Deiner Macht liegt, spreche ich hiermit noch einmal aus.

Der Kleiderhaken…Dein Kleiderhaken.

Er ist frei.

Du fehlst.

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