Vorwärts.

Vor einigen Wochen schon wollte ich über ein Thema schreiben, was mich sehr beschäftigte. Das ruhte dann…bis heute.

Ich las einen Artikel, in dem sinngemäß stand, dass für viele Menschen der Rollstuhl ein pures Schreckensbild ist und irgendwie auch „das Ende“ bedeutet.

Das Ende von was? Von Ressourcen, die ja ohne ihn, den Rolli, schon nicht mehr vorhanden waren? Eher ist es doch ein Anfang, ein Neuanfang, eine Umgewöhnung, Neues erlernen, die Welt wortwörtlich mit anderen Augen sehen, ein krasser Perspektivenwechsel und, nicht zuletzt, ein immenser Kraftakt.

Die Rollstuhlfahrer, die ich kennen lernen durfte, sind glücklich über diese Möglichkeit, sich fortbewegen zu können. Ja, früher oder später. Bedeutet sie doch auch Freiheit, Unabhängigkeit, ein Weiterkommen.

Ich selbst bin nicht auf einen Rollstuhl angewiesen. Allerdings saß ich einen Tag lang darin, und zwar während meiner Altenpflegeausbildung. Die Aufgabe: Jemand, der noch nie im Rollstuhl seinen Alltag bewältigen musste, kann auch nicht nachvollziehen, nicht einmal ansatzweise, wie genau das ist. Also: Machen.

Und es war krass. Vom Einkaufen über die Herausforderung, mit den Barrieren klar zu kommen, die man als Fußgänger überhaupt nicht wahrnimmt. Selbst als Jemand, der bereits eine Gehilfe hat, habe ich nie diese oder jene Kante als unwahrscheinlich hoch oder tief empfunden, diesen oder jenen Weg so extrem steil. Bis hin zu der Auseinandersetzung mit unserer „Ich-schau-mal-lieber-weg“-Gesellschaft. Oder, wenn es eben nicht um eventuell benötigte Hilfe geht, das Starren.

Ich sage nur: Hut ab!

Natürlich mache ich mir auch so meine Gedanken. Ein Arzt riet mir für „den Fall, dass“ schon zu einem Rollator. Bisher habe ich mich nicht mehr mit diesem Rezept beschäftigt. Es haftet lustig am Kühlschrank. Trampel steht mehr in der Ecke, als dass er Freiluftauslauf genießt. Wobei die letzten Wochen sehr taumelig und teilweise abenteuerlich waren, was das Laufen betrifft. Den einen oder anderen Tag hatte ich ihn dann doch mal mit. Sicher ist sicher.

Wie sieht es aus mit dem Sehvermögen? Was wäre eine Alternative, wenn ich wählen dürfte?

Sehen oder Hören?

Ich liebe Musik, Singen, Zuhören.

Aber eigentlich finde ich, gibt es auf der Welt mehr Schönes zu sehen, als zu hören. Wir Menschen reden so viel Unsinn, aber die Natur verschafft mir persönlich immer wieder echte positive Energieschübe, aus denen ich eine unwahrscheinliche Kraft ziehe.

Da schrumpfen große Kopfsachen plötzlich ganz fix.

Heute wieder erlebt…einen aufwühlenden Arzttermin mit einer noch aufregenderen Hinfahrt von 2 Stunden überstanden, zitterte ich und stand regelrecht neben mir.

Dann, über zwei Stunden später, die ich am Elbstrand verbrachte…nur die Hunde und ich. Ein Kurzurlaub, eine echt erlebte Traumreise. Der Kopf wurde frei, das Herz wieder leichter, die Luft klar und die Gedanken erholten sich von der Endlosgrübelei der Nacht.

Oder geliebten Menschen in die Augen schauen können. Sehen, wohin es geht. Lesen…

Es ist so wertvoll, eigenständig handeln zu können.

Zu entscheiden, Etwas doof oder toll zu finden, sich äußern zu können.

Laufen…

…einfach…

…am Strand entlang.

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