Hallo. Hallo?

Kennt Ihr dieses Gefühl?

Ich frage mich ab und an, ob ich die unwahrscheinlich praktische Gabe habe (ab und an), mich unsichtbar zu machen. Für andere. Ab und an.

Hallo? Sieht mich Jemand…?

Und, warum nur fällt mir das meistens dann auf, wenn ich mich (nach langem, langem Ringen mit mir selbst) dazu entschlossen habe, um Hilfe zu bitten?

Es fällt mir sehr schwer, andere Menschen zu fragen, ob sie Dies oder Jenes für mich tun könnten. Aus diesem Grund kommt solch ein Bitten meinerseits auch sehr selten vor.

Andersherum scheut sich mein Umfeld nicht, mich mit Fragen zu durchlöchern. Was ich übrigens nicht schlimm oder unangenehm finde – wenn es keine extremen Ausmaße annimmt. Extrem heißt, dass Menschen zum Beispiel spezielle Ratschläge, fachliche Meinungen oder eine ausführliche Repertorisation als selbstverständlich auffassen und nicht zu schätzen wissen. Das sind, wie gesagt, nur Beispiele.

Guter Rat ist teuer…da ist schon was dran. Eigentlich.

Letztes Jahr, die Dame zählt eher zu meinem entfernten Bekanntenkreis, fand in einer für mich sehr schwierigen privaten Phase etwas statt, das meinen Geduldsfaden fast reißen ließ.

Besagte Person erfuhr über Dritte, dass ich Tierheilpraktikerin bin. „Praktizierst Du zur Zeit?“ „Nein, aufgrund der Krankheit aktuell nicht. Stelle aber gern den Kontakt zu einer sehr kompetenten Kollegin her.“ Zudem sagte ich ihr, dass es wirklich und sehr wahrscheinlich vorkommen kann, dass ich eine solch schlechte Phase habe, in der ich einfach nicht antworten kann oder/und will.

Ob sie sich nicht besser an die besagte Kollegin von mir halten mag…die hätte ich ihr umgehend herzlich empfohlen. Stünde auch zur Stelle, wenn ich im Notfall nicht zu erreichen sei.

Nein, ein so großes Anliegen sei das nicht. Sie wolle nur meine fachliche Meinung hören. Okay.

War es aber. Groß. Das Anliegen.

Über drei Wochen erhielt ich jeden Tag mindestens eine Email. Anstatt einmal das Telefon in die Hand zu nehmen, worum ich auch mehrfach bat, flatterte eine Mail nach der anderen rein, bis ich einfach keinen Elan mehr hatte, diese zu öffnen geschweige denn, zu lesen. Es handelte sich um eine chronische Krankheit mit sehr umfangreicher Vorgeschichte, die ich niemals in drei, vier Sätzen, und erst recht nicht per Ferndiagnose und -behandlung (!?) hätte klären können.

Ich verstehe so etwas nicht.

Wenn mir Jemand vermittelt, und sei es um acht Ecken, dass er aktuell schlecht dran, und somit nicht sehr kontaktfreudig ist, dann reagiere ich doch dementsprechend…oder? Setzt dieses Verhalten wirklich so feine Antennen voraus, dass man heutzutage als hoch sensible Person gelten muss, um den speziellen Empfang zu haben? Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht…

Wie gesagt: im Notfall bin ich immer zur Stelle. Außer, es hat mich selbst völlig aus den Schuhen gehauen.

Zurück zu der unsichtbaren Phase.

Klar, wenn man Hilfe nicht anbieten kann, ist das so. Die Situationen meinerseits häufen sich diesbezüglich auch. Und ich muss wirklich schweren Herzens lernen, NEIN zu sagen. Es gibt aber Menschen, die schwören Stein und Bein, jederzeit da zu sein, wenn’s brennt. Ist eigentlich eher unmöglich, kann doch auch bei diesen Menschenwesen mal Holland und Co. in Not sein.

Gut, denke ich mir. So, einmal im Jahr. Kontaktaufnahme zwecks Miniaturhilfeschrei.

Oftmals kommt nicht einmal ein „Nein, geht nicht.“ Es kommt nichts. Keine Reaktion. Plötzlich. Was zur Folge hat, dass ich nicht mehr fragen mag. Doof? Nein, eher möchte ich mich vor komischen Gefühlen und Gedanken bewahren, die mir den Schlaf rauben.

Hallo? Huuuhuuu…?

Denn wenn sowas nicht nur einmal vorkommt, sondern Jemand, der Stein und…Ihr wisst schon…so gar nicht niemals nicht helfen mag, wird es mir zunehmend unangenehmer, danach zu fragen. Vielleicht übt dieser Mensch auch kräftig und fleißig das NEIN sagen? Dann: Jawoll, Daumen hoch, jefällt mia.

Aber: das NEIN dann auch klar auszusprechen fände ich großartig. Wissen, woran man ist.

Beides ist schwer für mich. Um Hilfe zu bitten, aber mittlerweile auch, wie bei dem oben beschriebenen Beispiel, meine Unterstützung abzulehnen, wenn gar nichts mehr geht. Scheiß Gefühl. Wirklich.

NEIN sagen…ohje, ohje.

Wann ist das Gefühl, im Stich gelassen zu werden, eigentlich gerechtfertigt? Hat doch jeder, aber auch wirklich jeder Mensch das Recht, NEIN zu sagen. Und wohin mit den mulmigen Gefühlen, wenn man anscheinend mit einem Hilferuf auf einen fremden Schlips trat? Offen ansprechen, in Ruhe lassen?

Was fällt Euch schwerer? Um Hilfe zu bitten, oder erbetene Hilfe abzulehnen?

Könnt Ihr gut und ohne schlechtes Gewissen auch mal NEIN sagen?

Oder übt Ihr noch…wie ich?

Erzählt mal…

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