Streichholzschachtel.

Früher wurden Dinge, die kaputt gingen, nicht sofort weggeworfen. Sie wurden repariert.

Schuhe brachte man zum Schuster, denn sie waren etwas wert, und so hatte man ein Paar Schuhe für’s Leben.

Heute sind wir eine Wegwerfgesellschaft. Schuhe gehen kaputt, werden unbequem, eine Reparatur kostet zuviel (Geld, Aufwand), also kaufen wir lieber ein neues Paar.

So werfen wir auch Dinge weg, die gar keine sind, wenn sie dabei sind, langsam aber sicher kaputt zu gehen.

Wir geben die Hoffnung auf, stellen fest, dass das Feuer in uns nicht mehr so richtig um sich schlägt, leuchtet, aufflammt, wärmt. Dass WIR uns nicht mehr richtig für uns selbst erwärmen können – und für andere.

Wenn zwei Flammen sich gegenseitig über Jahre immer wieder und wieder gegenseitig ansteckten und anfeuerten, entsteht dadurch eine ungeheuerlich große Energie. Und die schweißt zusammen. Wird eine der Flammen mal kleiner, schenkt die andere Flamme ihr einen Funken, um sie wieder auflodern zu lassen.

Das geht so lange gut, bis eine der Flammen endgültig aus ist. Plötzlich wird es dunkel. Und kalt. Und leise. Humor verwandelt sich zu Genervtheit. Geduld wird zu Ungeduld, Kommunikation wird stumm, Empathie verdreht sich zu einer ungesunden, schrecklichen Gleichgültigkeit. Verständnis macht auf einmal einem permanenten Kopfschütteln Platz, lautlose und wütende Tränen fließen.

Wo war der Knackpunkt? Der Moment in dem die Herzenswärme mit einem Eimer eiskaltem Wasser übergossen wurde – wann fand der statt? Wieso nur ist gerade das, was im Grunde so einfach ist, für uns so einfach war, so komplex geworden?

Manchmal spürt man doch noch ein kleines, leises, warmes Knistern. Ein Funke, der mir fast zuwinkt und mir mit einem resoluten Kopfnicken in Deine Richtung sagen will: mach‘ das wieder ganz.

So viele Funken sprangen über und sorgten für das, was man Zusammenhalt, Gemeinsamkeit, Gefühl, Freundschaft oder vielleicht auch Liebe nennen könnte.

Wenn es möglich ist, sich wieder länger als eine Sekunde in die Augen zu schauen, den Kopf zur Seite zu legen, anstatt die Augen zusammen zu kneifen, den ekelhaften und unsinnigen Stolz runterschlucken, sein Herz wieder für den anderen zu öffnen…

…wäre dann all das zu reparieren, anstatt mehr als ein halbes Jahrzehnt einfach wegzuwerfen? Sind wir zu reparieren?

Kampflos aufgeben war noch nie meins. Du bist auch ein Kämpfer – gerade jetzt.

Vielleicht wird dies wieder ein gemeinsamer Blick in die selbe Richtung, das wäre ein Anfang. Morgen gehe ich in die Stadt und kaufe eine Streichholzschachtel. Ich mache uns Licht, blicke auf all die vielen Fotos, diese verdammt  vielen Fotos, diese vielen Erinnerungen an all die Höhen und Tiefen und Täler und Gipfel und Feuer.

Ein erster, neuer, alter Funke.

Für Dich und mich und uns.

 

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