Up.

Und plötzlich war da diese Erleichterung.

Das Tal der letzten Wochen habe ich erfolgreich durchwandert. Wenn auch geschwächt, noch immer von Schmerzen geplagt und um einige neue aber MS-typische Erfahrungen reicher.

Ich habe es wahrhaftig überstanden; diese jene Etappe.

Und plötzlich war da diese Erleichterung.

Natürlich können mir Menschen beistehen und mir Mut machen, mich motivieren und mir Glück wünschen.

Aber wandern, das muss ich alleine.

Ich befreite mich von dem einer Endstufe gleichenden Gedanken: „Das hört doch nie, nie, nie mehr auf!“, als ich einen Schmerzschub nach dem anderen hatte. Ich befreite mich von dem tief-schwarzen, schweren und erdrückenden Gedanken, dass mein Seelenheil nur von anderen und ihren Stimmungen abhängt.

Ich befreite mich von der Einstellung, für andere zig Kilometer zurückzulegen, auch wenn diese anderen nicht einmal spürbar in meine Richtung schauen, wenn ich sie brauche. Umdrehen, zu mir blicken.

Und plötzlich war da diese Erleichterung.

Ich befreite mich von der Angst, als behinderter Mensch weniger attraktiv oder begehrenswert, ja, liebenswert zu sein, als nicht-behinderte Menschen.

Und plötzlich küsste ich wieder. Und liebte. Und genoss.

SO lange hoffte ich auf Zeichen, Befreiungsschläge. Doch was erhoffte ich mir da genau? Dass es einen Blitzregen gibt, der mir plötzlich alle aktuellen Sorgen, tiefer sitzende Ängste und zermürbenden Grübeleien nimmt und mich zu einem freier denkenden und schaffenden Menschen zaubert?

Ja, das hoffte ich wohl.

Aber in der Zeit, in der ich das Tal mal aus seiner tiefsten Stelle betrachten konnte, war über mir Alles – einfach Alles. Es ging nur noch bergauf, ganz gleich, wie lange diese Reise dauerte.

Liegen bleiben ist nicht. Noch nicht.

Also fing ich an, mich zuerst wieder selbst zu lieben, zu akzeptieren, mir meine bereits vor einigen Monaten neu angeeignete Selbstlobhudelei wieder in den Sinn zu rufen und sie anzuwenden, bis mir schwindelig wurde.

Und ging los. So weit bin ich schon gekommen.

Gutes Schuhwerk, Regenjacke, Mütze, Trampel und hier und da eine gute, gemütliche Sitzgelegenheit – einige meiner Werkzeuge, die mich unterstützen.

Nun stehe ich hier, und werfe Ballast ab.

Und plötzlich ist da diese Erleichterung.

Verschenke Dinge, verschenke Gefühle, Liebe, das kostbarste, was wir geben können. Doppelt so prima, wenn es doppelt geballt und voller Herzenswärme und Aufrichtigkeit zu uns zurückkehrt. Und sei es nur für einen kurzen Augenblick, einen Wimpernschlag.

Wie fühlt sich das an?

Großartig.

 

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