Läuft.

Seit ungefähr fünf Nächten kratze ich mir die Beine blutig.

Jeder Mückenstich der durch eines dieser fiesen Biester verursacht wird, denen Lavendelöl und andere Mücken vernichtende Kumpanen plötzlich scheißegal zu sein scheinen, schlägt eine Welle von fast unaushaltbaren Parästhesien auf, die ja sowieso schon da sind, sich dann aber noch stärker angefeuert fühlen.

Magnesium, Hypericum & Co. helfen nicht. Wieso sollten sie auch? Meine Nerven haben die Nase voll. ‚Ne chronisch volle Nase, quasi.

Nun steht die Mückenbrutzellampe im Flur und hat schon einige dieser Plagegeister ins Jenseits befördert.

Vielleicht reagiere ich unbewusst auf die Umstellungen, die ich mir aktuell verordne. Entgiftung, Bewegung im Rahmen meiner Möglichkeiten und Psychohygiene für Fortgeschrittene.

Seit geraumer Zeit trinke ich keinen Süßkram mehr, Apfelschorle wurde nun auch gegen Wasser getauscht. Das tut mir sehr gut, logisch. Sowieso: diese Ernährungsumstellung wäre schon lange, lange fällig gewesen.

Durch ein mich sehr abwertendes, auch verletzendes Erlebnis, welches mich aber ebenso intensiv wachgerüttelt hat, begann ich letzte Woche wieder mit Sport.

Die erste Möchtegern-Jogging-Einheit fand an einem Tag statt, an dem ich vor Schmerzen weder liegen, sitzen noch stehen konnte. Seelisch war dieser Tag eine mittelschwere Katastrophe. Es war derartig schwül, aber diese innere Unruhe gepaart mit einer Art Klick-Erlebnis brachte mich dazu, 20 Minuten im Schneckentempo meinen Schneckenweg (durch überaus freundliche und unerschrockene Weinbergschnecken sehr belebte Gassistrecke hinterm Haus) entlang zu tapern.

Am nächsten Tag schaffte ich es, abends 30 Minuten durch den Wald zu „stöckeln“ (Nordic Walking – das lernte ich vor Jahren mal so richtig doll vernüftig). Irgendwie fühlt sich das seichte Muskelaufbautraining, welches ich seit längerem zuhause für mich alleine betreibe, vor allem um meinen Rücken zu stärken, jetzt ganzheitlicher an.

Fazit der ersten Tage: läuft.

Heute jedoch ermahnte mich mein Körper. Hielt ein riesiges STOP-Schild in der Hand. Trigeminusschmerzen, Parästhesien, Fußheberschwäche und eine innere Unruhe, die mich bis jetzt ins Bett verfolgt (Restless Legs) überschatten gerade jede Lust auf „Anziehen-Lächeln-Loslaufen“.

Das geht vorbei, lautet mein Wunsch. Nein, meine Überzeugung.

Wenn man sich selbst vermisst, kann man davon ausgehen, dass die Selbstliebe irgendwo ganz in der Nähe lauert.

Der Anfang ist gemacht. Egal, welche Miniaturetappen da noch vor mir liegen, wie lange ich brauche, um mich wieder in meiner Hülle wohl zu fühlen, wie lange es dauert, bis Inneres und Äußeres wieder gemeinsam strahlen.

Vielleicht entsteht das Strahlen auch vorerst durch ein kleines Zwinkern.

Tante MS wird Pausen verordnen. Auch klar. Aber:

Hey, das werde wieder ich, jawohl.

Läuft.

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