Wie gemalt, wie gemalt.

Da hat sich der Herbst einfach so in den Sommer geschlichen. Wie finde ich das?

Irgendwie nicht schlimm. So hat es doch sicher einen Grund, weshalb der Regen bisher jeden Abend pünktlich zum letzen Dogwalk des Tages aufhörte zu fallen und wir die schönsten Sonne-Wolken-Bilder bestaunen konnten.

Frische Luft lädt zum Durchatmen ein, trotz fallender Blätter und teils trockenen Blüten leuchten die Farben wahnsinnig kräftig, nach so einem Regenschauer.

Minute für Minute ändert sich das Licht, eine Art Zeitraffer in Echtzeit. Ich fühle mich, als stünde ich in einem lebendigen Gemälde. Welcher Film fällt Euch dazu ein…gute Reise, Robin…

Fast empfinde ich eine Art Sehnsucht, wenn die Sonne untergeht und die Nacht hereinbricht. Die Nacht, die lieb ich. Aber das, was mir die Natur zur Zeit jeden Abend bietet, sauge ich auf und schließe ich ein.

Ich versuche, die MS zu überlisten, zu täuschen. Denn aktuell wird meine Trigeminusneuralgie getriggert von einer Sinusitis. Und zwar so doll, dass ich heute einen solchen Schmerzschub bekam, der mich fast im Achteck springen ließ.

Aber nein. Nicht springen, sondern laufen.

Wetterjacke an, Hunde geschnappt, und zweieinhalb Stunden raus. Es klappt, ich kann den Schmerzen wenigstens temporär davonlaufen. Natürlich sehe ich hin und achte auf mich, aber gehört nicht gerade das zur Selbstachtsamkeit? Bewegen. Nicht stehen bleiben, nicht verharren, in eine Schockstarre verfallen und somit handlungsunfähig werden.

Auch wenn ich nach wie vor nicht das leisten kann, was normale, gesunde Menschen in so einem normalen, gesunden Alltag „vollbringen“, und damit meine ich einfach das Pensum… Für mich, nur für mich, empfinde ich es als große Schritte, mich in den schrecklichsten, fiesesten, schmerzvollsten Zeiten zu bewegen, einfach zu bewegen.

Alles löst sich, wird leichter, wird durchgelüftet, atmet auf, kommt zur Ruhe, wird beruhigt.

Es beruhigt mich ebenso, so fies das klingen mag, dass es nicht nur mir so geht. Dass es viele MS’ler gibt, die diese Schmerzen ertragen, erleben und durchleben, sie überstehen, sich über Schmerzpausen freuen, wie andere über einen Lottogewinn. Ja, irgendwann gehören sie zu einem, die Schmerzen. Aber schön oder wünschenswert werden sie dadurch trotzdem nicht.

Und wenn sie erneut starten, die Schmerzen, gehe ich in Ruhe zum Kleiderschrank, greife nach der Wetterjacke, lächle den Hunden zu, die sich über die bevorstehende, allabendliche Wanderung freuen, öffne die Haustür und gehe raus.

In mein ganz persönliches, buntes, regnerisch-sonniges Gemälde.

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