Nach innen.

Ein Wochenende voller Nichts.

Und doch platzte es irgendwie aus allen Nähten.

Schon lange nahm ich mir vor, mal wieder ein Wochenende ohne Verabredungen oder durchgeplante Inhalte zu verbringen. Momente erleben, wenn sie passieren, Geräusche hören, wenn sie ertönen, auf Fragen antworten, wenn sie gestellt werden – und zwar nur von mir.

Ganz schön schwer, dieses Nichtstun. Denn selbst zuhause lauern so viele angeblich ober wichtige Außenreize auf einen, dass man lieber mal eine ganze Weile die Augen schließt, um wirklich runter zu fahren.

Also saß, lag und stand ich. Und ging, ich ging viel. Hundis herbeigerufen und raus an die Luft. Huch, ganz schön viel los, da draußen.

Im Wald begann dann die Reise. Der Herbst lässt sich schon erschnüffeln, wie sehr ich das liebe. Das Laub fällt, raschelt, wird langsam bunt. Die Luft ist klarer, morgens und abends liegen Felder, Wiesen und die Brücke vor unserem Haus eingehüllt im Nebel, als wären sie liebevoll zugedeckt.

Entzückend.

Pilze sprießen und das erste Mal in meinem Leben habe ich einen unversehrten, riesigen Parasol gefunden. Wunderschön. Und sobald man etwas zum ersten Mal in seinem Leben erfährt, findet, erlebt, wiederholt es sich meist recht schnell. Kennt Ihr das?

Also fand ich ein paar Tage später am Strand noch einen. Kleiner, nicht mehr ganz so unversehrt, aber noch immer hübsch anzusehen. Flusskrebse, Muscheln und Steine finden und sammeln – was tat das gut, was war das schön.

Auf Außenreize verzichten heißt, sich noch bewusster als sonst mit sich selbst auseinandersetzen. Und zwar von oben bis unten, von Kopf bis Fuß. Herz und Hirn zeigten mir hier und da einen Vogel, Tränen kullerten, Denkfalten wurden tiefer und so manch ein lustiger Gedanke aus vergangener Zeit bescherte mir einen mittelschweren Lachanfall. Schon gut, so eine Kopfsachenaufräumerei. Und schon ganz schön durchwirbelnd.

Eine Frage, die ich mir in den letzten Wochen öfter stellte „Wer geht wohin, wenn er geht?“, habe ich mir einfach wie ein Puzzle selbst zusammen-geantwortet. Trennungen tun weh, Trennungen erleichtern vielleicht auch. Ach, die machen soviel, die Trennungen. Jedoch arbeitet der Gedanke, wohin der ehemalige Partner denn nur geht, wenn man es selbst nicht mehr mitbekommt, ziemlich arg in so einem Menschenkopf.

Naja, wohin mag er schon gehen? Zum Bäcker, zur Arbeit, auf’s Klo? Alles wie immer, eigentlich.

Auch der kann einen Parasol finden, sogar zweimal hintereinander. Und Flusskrebse. Und auch der kann den Herbst erschnüffeln, wenn er nur will. Das bunte Laub und die eingenebelte Brücke sehen. Wenn er nur will. Oder auch nicht. Auch nicht schlimm.

Von dieser Erdkugel scheint noch Niemand gepurzelt zu sein.

So verloren sind wir Getrennten also doch nicht.

Zum Glück?

 

 

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