Die Wunschliste.

Ich schaue mich um, hier in meiner Wohnung.
In meinem Zuhause und somit auch in meinem Leben.
Gut geht es mir, denke ich so. Ganz gut, doch.
Aber bedeutet das gleichzeitig Glück? Oder Zufriedenheit?

Bin ich zufrieden mit dem, was ich habe?
Ja.

Bin ich glücklich mit dem, was ich habe?
Hm.

Wer mir Glück beschert, das sind meine Hunde. Die sind pures Glück. Eine so tolle Familie zu haben, das ist auch pures Glück. Und auf meinen zwei Beinen stehend, wenn auch häufig wankend und schwankend, meinen Alltag und eben dieses Leben alleine meistern zu können, das ist auch pures Glück.

Aber es kitzelt mich, es kratzt mich.
Immer öfter liest man auf Facebook oder sonst wo diese Sprüche.
„Gib Dich auch mit den kleinen Dingen des Lebens zufrieden. Such nicht das große Glück, denn dann übersiehst Du das kleine.“ Und so fort.

Doch.
Ich WILL das große Glück. Das große Ganze.
Und zwar nicht mit Löffeln, sondern mit Suppenkellen, mit den größten, die sich im Umkreis von 100 Kilometern auftreiben lassen. Ach, was. Mit den größten Suppenkellen, die es auf dieser Erde gibt.
Mit denen will ich das ganz, ganz große Glück löffeln. Kelleln.

Wieso?
Weil ich es mir wünschen darf.

Fragt man sich selbst, was einem fehlt, kommen wohl, von Mensch zu Mensch, völlig unterschiedliche Antworten zutage.

Das Beispiel mit der Krankheitsleiter, wie ich sie nenne, finde ich ganz optimal für das, was ich meine.
Hat Jemand in meinem Freundeskreis eine Erkältung, teilt er mir das erst mit, wenn ich mich wundere, warum ich von ihm nichts mehr höre und er vor Fieber schon fast im Delirium liegt. „Du hast doch Deine MS, das ist viel schlimmer.“
Sehe oder treffe ich Jemanden, der Krebs hat, erzähle ich ihm nicht von meinen aktuellen Schüben, weil ich wiederum denke, demjenigen geht es viel schlechter als mir, und warum sollte ich ihn noch zusätzlich mit meinem bisschen MS-Mist belasten?

So ist das auch mit dem Glück.
Genau genommen ist es schon Glück, ein Dach über dem Kopf zu haben. Ein dichtes, heiles, warmes. Mit fließendem Wasser. Das warm ist, wenn ich es warm haben will.
Einen (funktionierenden) Kühlschrank, der voll ist. Oder auch nur halbvoll, egal.
Ein Bett, ein Kissen, eine Decke.

Dann geht’s los mit dem kleinen, großen Luxus.
Handy, Fernseher, Musikanlage und und und.

Wieso nach noch mehr streben?
Wenn ich mich nicht mit dem zufrieden gebe, was ich habe, muss ich mich dann schämen?

Nun, doch, ich darf das.
Weil man Wünschen nicht verbieten kann.
Es gibt kein Gesetz, das besagt: „Nun, jetzt ist hier aber mal Schluss mit der wilden Herum-Wünscherei, Frau Plaschke!“
Das existiert nicht.

Und wenn ich abends im Bett liege, das mit Kissen und Decke drin , wünsche ich mir seit Neuestem die Synapsen heiß. Ich wünsche mir so arg soviel, dass mir ganz schwurbelig und taumelig wird.

Weil ich es darf.

Ab sofort finanzielle Unabhängigkeit und Sorgenfreiheit für mich und meine Lieben.
Damit geht es los. Was man daraus macht, bleibt ja Jedem selbst überlassen.

Somit wäre das Trockene, Fade schon mal geklärt.

Emotional und wünschenswert weit vor dem Geldkram liegt die Gesundheit, unser höchstes Gut.
Der Wunsch: Aufwachen. Augen öffnen. Schild sehen: „SIE SIND GESUND! FÜR IMMER! TOLL, WAS?“
Oh, ja. Mama , liest Du das? Krebs und Multiple Sklerose können uns mal den Buckel herunterrutschen! Wie wunderbar!

Weiter geht’s mit großen Schritten.
Es gibt soviel Unausgesprochenes, soviel, das in der Luft hängt, mich piekst und kneift und zwickt. Eine freundliche, aber bestimmte Zwangsversammlung all Jener, die mit in dem Gezwicke drinhängen wird veranlasst. Und Jeder verlässt den Raum entspannt und pieksfrei.

Schaut nach oben, die Sonne scheint. Und zwar immer.

Nun geht’s ans Wohl der Gesellschaft. Unsere oft beteuerte Toleranz, Akzeptanz, Empathie und Loyalität wird wahr.
Und dafür werden diesmal keine großen Worte benötigt, sondern das Gute darf einfach geschehen.

Kriege werden abgeschafft und mitsamt jeglichem Equipment in riesige Mülltonnen gesteckt. Weil keiner mehr Lust darauf hat, sich zu bekriegen. Das ist doch ganz einfach, stellt man Krieg und Frieden gegenüber. Was willst Du? Das klingt wahrscheinlich unfassbar naiv, aber schön wäre es allemal.

Kinder werden nicht mehr als die Menschen angesehen, die erst mit vier oder fünf Jahren beginnen, ihre Umwelt wahrzunehmen und zu spüren. Sondern bereits vorgeburtlich geachtet und mit Liebe und Sicherheit auf dieser Welt willkommen geheißen. Sie sind kein Frustventil oder eine Beschäftigungstherapie mehr für Erwachsene, die mit ihrem eigenen, wertvollen aber in ihren Augen wertlos gewordenen Leben über- oder unterfordert wurden und durch dieses Zuviel oder Zuwenig einen Ausgleich suchen. Ein kleiner, junger Mensch kann nicht das ausbügeln, was ein großer, alter durch einen vorhandenen Mangel bisweilen in die falsche Richtung geschossen hat.

Tierquälerei findet nicht mehr statt, die grausamen Bilder und Geschehnisse versacken so tief in unseren Köpfen, weil wir schnellstens lernen, jedes schlagende Herz und fühlende Wesen dieser Welt zu achten und als Individuum zu betrachten.

Alte Menschen werden nicht mehr abgeschoben. Wir schätzen nicht nur ihr Dasein, ihr Mit-Uns-Sein, sondern auch ihr schier unendliches Wissen, ihre Weisheit und ihre Ratschläge. Die Erfahrungen und Fähigkeiten werden an die jüngeren Generationen weitergetragen. Das Älterwerden, das Sterben und der darauffolgende Tod werden wieder in die Gesellschaft integriert. Niemand muss alleine gehen, wenn er dies nicht möchte. Aber ein Jeder kann es, wenn er denn will. Und wann er will.

Eine richtig gute Streitkultur herrscht ab sofort. Und mit ihr die Chance, Probleme, Sorgen und Nöte nicht mehr jahre- oder sogar jahrzehntelang mit sich herumzuschleppen, sondern sie direkt zu klären.

Liebe.
Oh, wie weh kann sie tun, eigentlich schmerzt sie stets. Dieser Schmerz fühlt sich nur immer anders an. Den wünsch ich mir wieder, so ganz in echt und so ganz doll pur.
Mit allem, was dazu gehört.

Ein immer volles Bücherregal, welches sich selbst um einen Anbau kümmert, wenn Überfüllung droht.
Kann das bitte Jemand erfinden?

Mut.
Eine große Klappe und ab und zu die totale Fähigkeit, mich verdammt rar zu machen, unnahbar und somit interessantER zu sein. Das wünsche ich mir auch. Egal, wie bekloppt sich das nun liest. Ist ja nur für ab und zu. Ein ständig abrufbarer, ganz persönlicher Taschenzauber, quasi.

Ich merke gerade, dass mir mit jeder Minute, die ich nachdenke, weniger einfällt. Ich schiebe das auf die Uhrzeit und Euch einen guten Wunsch unters Kopfkissen:

Gute Nacht und losgewüscht…

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