Seifenblasenseele.

Immer wieder schaue ich mich im Internet um.

Ist da noch was los? Wer ist da los?

Auf der Suche nach Gleichgesinnten oder Mitbetroffenen bleibe ich jedes Mal auf Vimeo oder YouTube bei Erfahrungsberichten oder Dokumentationen hängen, die von ganz persönlichen Schicksalen berichten, die ihre Träger vehement dazu auffordern, sich Gedanken über ihr Dasein zu machen. Und zwar umgehend.

Und diese Schicksalsträger sind meist keine Elendshäufchen oder Menschen, die lange den Kopf hängen lassen, ihn in den Sand stecken oder gar versuchen, sich kopflos einzubuddeln.

Nein.

Meist sind das Menschen, die durch ebensolche Lebenslektionen das Beste, das Schönste daraus machen. Woraus? Aus ihrem Leben.

Ging mir früher ein solcher Film sehr nahe oder brauchte ich eine emotionale Pause, legte mir Jemand von hinten seine Hand auf meine Schulter, um mir zu zeigen: „Ich bin da.“

Früher heißt: bis vor einigen Monaten.

Komischerweise habe ich seit dieser Zeit nicht mehr so viele Dokus geschaut.

Seit kurzem traue ich mich wieder ran, allerdings ohne die wärmende, fremd-vertraute Hand auf meiner Schulter.

Es ist schon komisch.

Wenn man auf sich allein gestellt ist, so mit allem drum und dran, für mich allein „all inclusive“, sozusagen, steht man nun einmal auch häufig allein dar.

Das hat nichts mit Einsamkeit zu tun, oder mit dem Gefühl, lebenslänglich als eine Art Alleingänger verdammt zu sein.

Aber es ist eine Umstellung und ein richtiger Lernprozess, sich plötzlich wieder selbst zu trösten, wenn es akut nötig ist – ohne fremde Hände, die die eigene, zitternde Schulter berühren und beruhigen.

Wie praktisch, dass man so einen Laptop auch mit ans Sofa schleppen kann. Und noch praktischer, dass meine Hunde so unfassbar gern auf selbigem liegen.

Und wie schön, wenn sicherlich auch nicht punktgenau geplant, dass sich so eine Hundepfote hier und da mal liebevoll ihren Weg in mein Ohr oder auf meinen Kopf bahnt, wenn die dazugehörige Fellnase gerade schwer mit träumen und erzählen beschäftigt ist und ich ein paar emotional geladene Tränchen vergieße, weil mich gerade einmal wieder Jemand sehr, sehr anrührt.

Auch das spendet Wärme. Und, vor allem, ein Grinsen. Zwar auch manchmal ein paar Hundehaare zwischen Zähnen, Ohren und Nase, aber das ist total okay.

Ich frage mich, ob man die Abwesenheit geliebter Menschen oder Dinge auch schon spüren kann, obwohl sie noch gar nicht fort sind.

Also, physisch.

Und ob man sich nach einer Trennung automatisch verbundener fühlt; völlig gleich, ob man im Guten oder Schlechten auseinanderging.

Dinge zerbrechen, Träume zerplatzen, Beziehungen zerreißen.

Die Vase, die kaputtgeht, wäre niemals in meinem Regal gelandet, hätte ich sie nicht mal totschick gefunden. Ein Traum, der nicht in Erfüllung geht, ist trotzdem noch immer meiner. Und eine Beziehung wäre niemals eine geworden, hätte nicht das Schöne überwogen.

In allem steckt das Gute, und sei es noch so klein, hinterher.

So eine Seifenblase fragt sich ja auch nicht, bevor sie platzt, ob das jetzt Sinn macht, und warum ausgerechnet SIE nun vom Zeitlichen gesegnet wird…wo sie doch zu Lebzeiten so, so wunderschön war.

*plöpp

 

 

 

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