Zitterpartie.

Heute geriet ich ins Schlottern.
Aber irgendwie bin ich da schon mittendrin, in meinem Tag.

Von vorne:

In ein paar Tagen geht es zu meiner Familie ins Sauerland.
Ich bin aufgeregt.

Vor Freude, weil ich meine Lieben alle wiedersehen und drücken darf.
Vor Sorge, weil es meiner Mutter aktuell nicht gut geht.
Vor Neugier, weil sich so einiges Schönes ereignete, wovon ich nun bald mehr erfahre.

Bevor ich meine Wohnung verlasse, brodelt und rödelt es in meinem Kopf. Immer.
Gehöre ich zwar eh zu den Menschen, die am liebsten dreimal am Tag staubsaugen und hier und da rumputzen würden (und…jaaaaa, dies auch manchmal machen), aber diese Zeit VOR dem Abflug ist dieses Getüddel um einige Level schlimmer.

Heute verlor ich mich beim Aufräumen in eine Stöbertrancephase. Ich guckte nicht nur, was hier und da mal weg kann…könnte…muss. Nein. Ich entdeckte Altes, Schönes, Trauriges und Lustiges.
Liebesbriefe – welche, die ich schrieb und nie abschickte, und die, die ich bekam.
Mein erstes Kinderbesteck, das ich vor einigen Jahren zu Weihnachten von meinen Eltern erhielt. Vorvererbt, sozusagen.
Einen abgeschnittenen Zopf aus dem Jahre 2000, der damals dafür sorgte, dass mein Freund eine Woche lang nicht mehr mit mir sprach, weil er es anscheinend nicht so prickelnd fand, dass seine Freundin ihre dunkelbraune Wallemähne gegen den damaligen total trendigen Monchichi-Look austauschte.
Fotos meines allerersten Pflegepferdes, unter dessen Bauch ich damals noch aufrecht stehen konnte.
Schmuck meiner Uroma und Häkelarbeiten meiner Oma.
Tränchen tropften.

Während ich gefühlsduselig schluchzend, rotzend und zugleich meine Zunge kauend hektisch den Apothekerschrank durchwühlte, spürte ich, dass meine Unterlippe nicht zeitgleich mit meinen Augen aufhörte, zu „weinen“.
Sie bibberte immer weiter.

Nee, nicht nur meine Unterlippe.
Mein ganzer Unterkiefer schlotterte, als stünde ich irgendwo mitten im sibirischen Winter.
Hallo MS – reagierst du nun schon sogar zeitverzögert auf pure Emotionen?
Bedeutet das etwa, dass ich demnächst einfach körperlich weiter lache, nachdem meine Stimme damit aufhört? Wie eine umgekehrte Bauchrednerpuppe? Gru-sel.

Herrje.
Immer wieder was Neues.
Es beruhigte mich dann am frühen Abend, dass mir eine Freundin, die ebenfalls MS hat, berichtete, dass sie das auch schon durchlebte.

Der Schlotterkiefer gibt mittlerweile Ruhe, ein leichtes Zittern ist noch vorhanden.
Nun ja, aktuell liegt viel in der Luft.
Viel Gutes, Aufregendes, Neues, Schönes, Spannendes, Tatendrangausdemtiefenkörperkellerhervorholendes.

Zuviel Gutes? Kippt das in naher Zeit, so wie ich es kenne, als Pessimistensimone, oder darf, soll, WILL ich mich einfach mal länger freuen?

Bumms.

Ich hole jetzt meinen ersten veganen Kuchen aus dem Ofen (nach dreieinhalb Jahren ohne Fleisch startete ich vor Wochen den erneuten Versuch, auch auf Milch und Eier zu verzichten, nachdem es mir vorletztes sowie letztes Jahr leider nicht gelang), gönne mir eine aufwärmende Dusche und danach einen Tee mit Honig und zwanzig Mandarinen. Mindestens.

Honig?
Voll unvegan, ich weiß.

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