Knicke.

Schneeregen, Matsch, grauer Himmel mit ein paar klitzekleinen, blitzschnell wieder verschwindenden Sonnenlöchern. Die tapfere, gute Sonne. Du hast es probiert. Jetzt wollte ich „altes Mädchen“ schreiben, aber das lasse ich.

Wäre es nun an der Zeit, das alljährliche Weihnachtswunschgeschreibe auf diese weiße Fläche zu bringen? Oder gar schon die guten, positiven Gedanken für das neue Jahr, welche die negativen Erfahrungen des alten überdecken sollen?

Vielleicht.
Aber ich mache es anders, nicht nur, weil ich es will, sondern auch, weil ich es nicht anders kann.

Was ist denn Euer Plan? Kleines groß machen, und Großes einfach mal ganz klein sein lassen?
Den Alltag zurückschrauben, bis er nur noch so groß oder klein ist, wie ein Stecknadelkopf? Die besondere Atmosphäre dieser Jahresendzeit genießen, sich beschenken lassen und andere beschenken? Viel essen, mehr als sonst, viel kochen, auch mehr als sonst? Sich der jährlichen Mutprobe stellen, es einige Tage mit Menschen auszuhalten, die man den Rest des Jahres eventuell nicht einmal gedanklich streifen würde?

Hier, bei mir, ist dieses Jahr alles anders.
Ich bin mir noch nicht sicher, ob „anders“ gleichzeitig „besser“, „schlechter“ oder…ja…einfach eben nur „anders“ bedeutet.

Manche Lichter, die das ganze Leben über scheinen, gehen plötzlich aus.
Ohne, dass eine Batterie vorher piept. Ohne, dass eine Birne flackert. Ohne, dass es ein Knistern gibt.
Ohne jegliche Vorwarnung.
Manche Lichter gehen einfach so aus.

Meine Theorie und auch bereits gelebte Praxis, selbst in den dunkelsten Zeiten ein Licht, ein Feuerchen in mir finden zu können, hinkt gerade gewaltig.
Wenn ich das Streichholz selbst nicht zünden darf, das Feuerzeugrädchen nicht selbst drehen kann, will ich auch kein Feuer.

Und doch ist mir klar, dass die Zeit, die jetzt wütet, umkrempelt und meine ganz eigene Mutprobe zu sein scheint, auch irgendwann vorbei ist.

Diese Theorie hinkt nicht. Noch nicht.

Und so mache ich gerade das, was ich sonst sehr bewusst und erfolgreich vermied.

Ich stehe in diversen Geschäften ungläubig vor einem Haufen blinkender Plastikfiguren, Lichterketten und singenden, dickbäuchigen Weihnachtsmännern, deren wattige, sich auflösende Bärte bereits jetzt schon mit Kinderschokoladenfingerabdrücken verziert sind.
Ich schaue Weihnachtsfilme, die vor Kitsch nur so triefen und irgendwie allen anderen ähneln, die auf den restlichen Programmen laufen.
Ich sehe die Schluckauf erzeugende Beleuchtung und Dekoration meiner Nachbarn und frage mich, wie man so etwas nur gemütlich oder schön finden kann. Ich frage mich, während ich mich genau das frage, ob mit mir was nicht stimmt. Ich antworte mir, dass ich einfach nur einen anderen Geschmack habe. Wohl.
Ich höre mir bewusst Spendenaktionen an, die sich nur zur Weihnachtszeit so anfühlen. Samt extrem trauriger Musik und den noch extrem traurigeren Stimmen der Radiomoderatoren, die zwei Sekunden später voller Freude, Elan und Spässken den neusten Song von XY ankündigen.

Denn genauso ist es ja.
Es passieren traurige, schlimme Dinge. Katastrophen.
Und während eine Katastrophe geschieht, wird woanders etwas Wundervolles geboren.

So mache ich das, was sich andere vielleicht sogar wünschen.
Was ich mir schon öfter wünschte, ohne zu ahnen, was da auf mich zukommt, dass es mal so kommt.
Ich verbringe diese Zeit jetzt allein. Naja, fast.
Mit zwei Hundeherzen.

Das ist ein „sich besinnen“ einer anderen Dimension.
Groß wird klein, klein wird…

Euch wünsche ich eine Weihnachtszeit und einen Jahreswechsel genau nach Eurem Geschmack.

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