Ruhestürme.

Es ist Abend.

Draußen duellieren sich die Winterstürme. Regen, Hagel und Aststückchen knallen gegen die Fensterscheibe.

Leise Musik erfüllt das Wohnzimmer. Ich sitze auf meiner „Turnmatte“, einer meiner Hunde sitzt mir gegenüber und schaut belustigt auf die sich seltsam verrenkende Frau.

Ein wunderbarer Wandel geschieht.

Ist Wandel gleichzusetzen mit Entwicklung?

 

Je lauter und hektischer andere werden, desto leiser und ruhiger werde ich.

 

Jemand fordert, gibt aber selbst nicht einmal annähernd soviel. Ich warte ab.

Jemand schreit, besteht aber beim Gegenüber auf eine Kommunikation im ständigen Flüsterton. Ich warte ab.

Jemand haut ab, will aber die ständige Präsenz anderer. Ich warte ab.

 

Ich warte ab. Und bleibe bei mir.

Ich befinde mich aktuell dort, was man wohl annähernd die eigene Mitte nennen könnte.

Natürlich ist dies ein Jetzt-Zustand, eine Momentaufnahme. Wer weiß, welche wenigen Millimeter der Unaufmerksamkeit dazu beitragen könnten, dass ich ins Wanken gerate und ebenfalls wieder laut, fordernd und flüchtig werde.

Blöde Gedanken.

Jetzt ist es so, und so, wie es jetzt ist, ist es toll.

 

Ich weiß nicht, wer der größte Teilhaber an dieser sehr schönen, entlastenden Situation ist.

Das mehr gewordene Wasser, das ich anstelle irgendwelcher Zuckerdrinks seit Monaten zu mir nehme? Die Chiasamen im Naturjoghurt? Die abendliche Meditation, die mich, dank des für mich neu entdeckten Yogas, dazu bringt, gestern gestern und morgen morgen sein zu lassen und einfach da zu sein, jetzt gerade und hier? Die wieder länger werdenden Tage, das Licht, oder die Stürme, die eine unheimlich reinigende, durchfegende Wirkung haben?

 

Meine Kilos purzeln weiterhin. Das will ich, das tut gut.

Zu Beginn meiner Silhouettenveränderung umarmte ich mich häufig, weil ich mich schutzlos fühlte. Wieso dachte ich, der Schutz, mein Schutz, müsse von außen kommen?

 

Was mir die Schmerzen, die meckernden, verkrampften Fußsohlen und der aktuell ständig flatternde, rechte Oberarm vermiesen, gleiche ich mit bewusster Bewegung wieder aus. Und mit bewusstem Stillstand. Ich schaffe ein Gleichgewicht, welches eigentlich gar keines ist. Sondern ein Kompensieren. Lücken füllen, mit Gutem.

Und der dicke Mantel, so wortwörtlich das vielleicht sein mag, schwindet. Irgendwie kommt gerade Simone zum Vorschein. Die, die fröhlich ist. Die, die offen und wertfrei auf Menschen zugeht. Die, die nicht sofort verzagt, wenn sie Katastrophenluft schnüffelt.

Dieser Zustand kommt mir zu schön, zu fragil vor. Fast befürchte ich, ihn kaputtzuschreiben, denn vieles Schönes lässt sich einfach nicht in die richtigen Worte fassen. Also weitergehen. Ohne ständigen Blick auf die Uhr. Die hört sowieso nicht auf zu ticken. Jedenfalls nicht Zeit unseres Lebens.

 

Außer, wir stellen unsere eigene Uhr einfach mal um. Auf die Zeit, die uns nicht vorgeschrieben wird. Der Druck von außen ist doch sowieso immer da. Egal, wohin wir uns drehen und wenden, wir sind Puffer, Schlichter, Ventile, Sündenböcke. Denken wir.

Umso wichtiger, die eigene Energie und die eigenen Wünsche und Pläne nicht nur gedanklich hin- und herzuschieben, sondern sie zu verbalisieren, bunt anzumalen und zu kanalisieren.

 

Wo will ich hin, ohne fremdbestimmt geschoben zu werden?

Wer will ich sein, ohne in die starre, gesellschaftliche Schablone treten zu müssen?

Wo finde ich Ruhe, um mich und mein Fühlen bewusst zu betrachten und zu pflegen?

 

Alles beginnt in mir.

Wenn auch mit viel, viel Wasser, Yoga und Chiasamen.

Und Wind.

 

 

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