Eigentlich.

Gedanken kreisen.
Das ging nochmal „gut“ aus.

Ab einem gewissen Zeitpunkt unseres Lebens wissen wir, dass wir sterben müssen.
Die einen wissen dies früher, die anderen später.

Wissen heißt zwar nicht erkennen, aber im Grunde genommen dürfte uns der Tod nicht sonderlich überraschen, wenn er sich in unseren Dunstkreis gesellt.

Eigentlich.

Passiert dann etwas Schreckliches, das unser Leben für einen Augenblick zu stoppen scheint, sitzen wir auf unserem Hosenboden. Werden umgeschmissen, oder kurzzeitig auch angetrieben, um dann sprachlos vor einer Tatsache zu stehen, die Niemand, keiner von uns, jemals umgehen oder verhindern kann.

Diese Situationen gehen manchmal gut aus, für den Moment. Für diesen, einen Moment.
Ich merke, wie kostbar das Zusammensein mit meinen Lieben ist.
Und dass es, egal wie oll gefloskelt das nun scheint, jederzeit, zu jedem Zeitpunkt vorbei sein kann.

Ich fahre mal wieder eine Landstraße entlang. Jedes mal sehe ich die freundliche Blumenverkäuferin an ihrem Stand stehen, halb versunken in diesem, bunten, riesigen, frischen Blumenmeer.
Ich frage mich, wie diese Schätze in dieser Abgasatmosphäre überleben können. Und nehme mir immer vor, das nächste Mal anzuhalten, um mir einen Strauß Fröhlichkeit mit nach Hause zu nehmen.

Ich verlasse den Supermarkt und denke, ach, ich bin so vollgepackt, den unfassbar leckeren Dip vom fröhlichen Bäcker, der mit seinem Verkaufswagen einmal in der Woche vor dem Laden steht, kann ich auch das nächste mal kaufen.

Ich verlasse das Haus, knuddel die Hunde. Stehe vor der Tür, um sie abzuschließen, obwohl mir danach ist, wieder hineinzugehen und die Fellnasen ein weiteres Mal zu knutschen. Aber ich bin in Eile und ziehe los.

Es sind scheinbare Kleinigkeiten, die wir alle, selbstverständlich, auch noch später erledigen, kaufen, nachholen oder wiederholen können. Genau dieser Gedanke macht diese Vorhaben klein und irgendwie unbedeutsam. Wir können es angeblich immer und jederzeit wieder tun.

Dass das nicht stimmt, zeigen mir meine zahlreichen Phasen des Innehaltens, die mich seit gestern in gewissen Abständen heimsuchen und durchschütteln, wach machen.
Dass das nicht stimmt, zeigen mir die vielen, vielen unausgesprochenen Differenzen, Sorgen, Nöte und Ängste, die man irgendwann noch mit Jemandem teilen und auflösen wollte, dem man doch so sehr vertraut.
Dass das nicht stimmt, zeigt mir der Satz, den mir vor kurzem Jemand traurig mitteilte: „…ich konnte ihr gar nicht mehr sagen, wie sehr ich sie liebe.“
Dass das nicht stimmt, zeigt mir die Fassungslosigkeit in Anbetracht der Tatsache, dass ein Bett, ein Wohnzimmer oder eine Küche, ein Sessel, ein Küchenstuhl oder ein Strandkorb plötzlich nicht mehr die gleiche Bedeutung hat, weil jemand Bestimmtes nie wieder darin liegen, stehen oder sitzen wird.
Dass das nicht stimmt, zeigt mir, dass Menschen, die sich mit anderen treffen möchten, um sie zu sehen, ihr Gegenüber plötzlich anschauen, anstatt an ihrem Smartphone rumzufummeln.

Diese bekannten Millisekunden, Wimpernschläge und Atemzüge, die uns von anderen Welten trennen, gibt es nicht nur, sie begleiten uns permanent.
Nein, ständig auf der Lauer liegen ist mit Sicherheit nicht gesund; aber unsere Endlichkeit, und die der anderen, völlig ignorieren, wohl auch eher ungesund.

Wir haben alle unsere Zeit.
Wir sind alle miteinander verbunden.
Wir streben heutzutage nach Einzigartigkeit.

Jedes Wort, das ausgesprochen wurde, verhallt umgehend. All das, was wir sehen, fühlen, riechen, schmecken, sagen oder denken, passiert genau so nur ein einziges Mal.

Wäre das für den Anfang nicht besonders genug?
Und für das Ende auch.
Das leere Bett…

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2 Gedanken zu “Eigentlich.

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