Nur eine Wand.

Ein großer, leerer, geschlossener Raum.
Wie komme ich hier herein?

Folgte ich meinem Gefühl, stünden mit mir noch mindestens fünf andere Personen darin.
Aber der Raum ist völlig leer.
Jedenfalls sagen mir das meine Augen.

Die Wände scheinen durchsichtig aber irgendwie auch schwer zu sein; schwer im Sinne von kalt, dick, weiß oder schwarz. Auch das sagt mir nur mein Gefühl, meine Augen sehen normalen Beton, der mich umgibt.

Ich stehe in der Mitte dieses Raumes, und drehe mich um meine eigene Achse. Langsam, fast vorsichtig. Als hätte ich Angst, dass plötzlich Jemand aus einer Zimmerecke auf mich zugesprungen kommt.
Wieder dieses Gefühl.

Was soll ich hier?
Wieso ist da Niemand, außer mir, obwohl ich eine todsichere Anwesenheit anderer spüre?
Warum kann ich nicht durch diese seltsam normal aussehenden Wände schauen, obwohl mein Gefühl mir sagt, dass es diese Möglichkeit gibt?
Warum bin ich so dick angezogen, obwohl es doch angenehm warm ist, hier an diesem Ort?

Ich drehe mich weiter.
Dann bleibe ich stehen.

Ich wache auf, gucke an die Decke.
Was war das denn schon wieder?
Schon länger überlege ich, erneut mit einem Traumtagebuch zu beginnen.

Noch völlig in diesem Gefühl hängend, drehe ich mich auf die Seite.
Keiner da, angeblich. Hm.
Undurchsichtige Wände, normale Wände eben, anscheinend.
Wärmende Kleidung nötig, wirklich?

Es dämmert.
Es ist doch nur eine Wand.

Ich sehe oft weniger, als ich wirklich wahrnehme.
Oft ist da mehr, nein, da ist immer mehr.
Auch brauche ich, vielleicht, nicht immer die dickste Jacke, oder scheine ich mich selbst nicht wärmen zu können?
Warum lasse ich mich von einer Betonwand davon abhalten, mit denen zu kommunizieren, die sich dahinter, darüber befinden?

Es ist doch nur eine Wand.
Gedanken können Wände sprengen, und seien sie aus Stahl.
Nur die Angst vor dem, was sich dahinter, darüber befindet, die darf mich nicht blockieren.

So schließe ich wieder die Augen.

Fühle mich hinein, in diesen Raum.
Ziehe meine Jacke aus.
Schaue mit offenem Blick durch den Raum, bis ich ein Fenster finde. Das reicht, für eine Tür wäre es zu früh, noch zu früh.

Und sehe die, die ich geliebt habe und noch liebe.
Und sehe die, die bereits gegangen sind.
Und sehe die, denen ich zulächeln kann, mit denen ich sprechen kann, wann immer mir danach ist.

Es ist doch nur eine Wand.

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