Prinzessin und Indianer.

Bevor wir durch die verschiedensten Systeme dieser Welt in verschiedenste Schablonen gedrückt werden, sind wir Kinder.

So ganz pur und rein und klar.

Wir sehen etwas und sprechen aus, was wir sehen. Wir sprechen auch mit den Augen. Wir riechen etwas und können sofort sagen, ob der Duft (oder der Gestank) uns gefällt oder nicht, selbst wenn wir ihn weder aussprechen noch aufschreiben können. Oder wir fragen frei raus, ob gerade irgendjemand gefurzt hat.

Wir hören zu, mal mehr und mal weniger, und reden. Auch mit uns selbst, vor allem mit uns selbst. Im Spiel, im Ernst. Wir sind phantastisch phantasievoll.
Sind Prinzessinnen, Räuber, Indianer und Elfen.

Fragen werden gestellt, die Antworten aufgesaugt. Manchmal muss es kein Schwall von Antworten sein. Klipp und klar, ehrlich und präzise, auch das können Kinder wollen. Und brauchen.

Sobald es darum geht, benotet oder beurteilt zu werden, geht etwas verloren.

Irgendwie ist dieses Etwas die eigene, selbstbestimmte Mitte.
Die Prinzessin oder der Indianer.

Unser absolut einzigartiges Eigen- und Innenleben wird ausgetauscht gegen einen hochkochenden oder vielleicht auch nicht so brodelnden Ansporn, Ehrgeiz. Wahrscheinlich war der schon immer da. Wollten wir früher auf einen Baum klettern, packte uns auch der Ehrgeiz, da irgendwie hoch zu kommen. Oder wenn es darum ging, länger mit der besten Freundin draußen zu bleiben. Welche Überredungskünste da aus uns rauspurzelten…

Okay, der Ehrgeiz wird also umgewandelt.
Ich bin keine Mutter, ich weiß nur durch Erzählungen von Freunden, die bereits Eltern sind, annähernd, wie es heutzutage im Schulsystem, oder bereits im Kindergarten abläuft.

Sitzt vor so einem Lehrer eine Klasse, also das große Ganze, welches im Kleinen nur beachtet werden sollte, wenn ein Teil von ihm aus der Reihe (aus dem System) tanzt? Sehr gute Schüler werden hochgelobt, sehr schlechte zurechtgewiesen. Die, die in der Mitte rum schweben, schweben eben in der Mitte herum.

Wie ist das denn heute?
Und wie fühlt man sich heute als Kind?
Wird man ermutigt, seine Träume zu verwirklichen? Oder das zu tun, was später auf dem Arbeitsmarkt die besten Chancen verspricht, Karriere, Ansehen, 12-Stunden-Arbeitstage.

Geldbeutel voll, Wohlfühlkonto leer?

Was ist mit der emotionalen Ebene, der Gefühlswelt, eventueller Hochsensibilität oder speziellen Begabungen, die überaus wertvoll sind, aber nicht für das normale Schulsystem und die späteren, zähnefletschenden Chefs geeignet scheinen?
Es gibt sehr wohl Schulsysteme, die sich gerade diesen Seiten von uns Menschenkindern annehmen. Leider machen sich noch immer viel zu viele Leute darüber lustig, anstatt sich schlau zu machen und sich zu freuen, dass es im Schulleben nicht immer nur um Mathematik, Fleiß und aufgeräumte Klassenräume geht.

Meine Eltern haben jeden, aber auch jeden meiner Wünsche, jede Hoffnung, jeden beruflichen Strohhalm, aber auch jede berufliche Chance mitgetragen. Egal, wie verrückt oder außergewöhnlich und somit völlig unkonventionell sie auch war.
Ich glaube, ich war so ein Teenager und junge Erwachsene, die sich auf das Thema bezogen echt verwirklichen konnte, austoben, ausprobieren, schnuppern, Nase rümpfen, feststellen, dass es hier und da schon nötig ist, Abstriche zu machen, dass es aber auch dringend nötig ist, in sich hineinzuhorchen und ebenso auch totalen Mist bis gepflegte Klein-Katastrophen zu verzapfen um wirklich zu spüren, wohin die Reise gehen darf.

Also, wir werden benotet. Irgendjemand legt vor und für uns fest, was für uns wichtig ist, um voran zu kommen, um zu bestehen, auf dieser Erde.
Und die Prinzessin und der Indianer verblassen.

Ich frage mich, warum Ärzten dann nicht innerhalb des Medizinstudiums verklickert wird, wie wichtig Empathie gegenüber ihren Patienten eigentlich ist? Und dass Sterben zum Leben gehört, dass sie als Studenten keine zukünftigen Götter in weiß sind, die dem Tod einfach einen husten können, sondern Dienstleister, die definitiv ein Gehör und einen speziellen Blick für und auf ihre Patienten haben müssen? Dass jeder Mensch sein eigener Profi ist, sich selbst am besten kennt, egal, ob in dem Weißkittel ein 1,0-Medizinstudium steckt? Ebendrum. Der Neurologe, der vor mir sitzt, hat beispielsweise die Multiple Sklerose bis ins kleinste Detail studiert. Erlebt hat er meine MS dadurch keine einzige Sekunde lang.

Vorsicht, vorsicht mit (Ver-)Urteilen.

Ich frage mich, wieso mir aufgrund meiner miserablen Mathenoten permanent eingebleut wurde, wie wichtig Mathematik in unserem Leben ist – ich es aber bis heute nur im Alltag hier und da mal benötige? Oder bin ich gar nicht so schlecht in diesem „Fach“, wende es öfter an, als es mir bewusst ist, ohne kleben zu bleiben? Großartige Verluste aufgrund von ausreichender bis teils mangelhafter Mathenoten habe ich noch nicht erfahren, herrje, zum Glück.

Es wäre so schön, wenn Aussagen wie „Du solltest…!“ oder „Du musst…!“ gegen Fragen wie „Was willst Du?“, „Was liebst Du?“ oder „Wofür brennst Du?“ ausgetauscht würden. Schon im Kindergarten.

Damit Prinzessin und Indianer wieder etwas mehr Farbe bekommen.
Und die Räuber und Elfen.
Howgh!

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