Profilknoten.

Es ist nun knapp ein Jahr her, dass ich das typische KLICK-Erlebnis in Bezug auf mein Körpergewicht erlebte.

Ernährungsumstellung, keine Diät.

Mehr Bewegung, bis hin zu regelmäßigem Sport.

Nordic Walking, dann langsames Joggen, zaghafte Yogaeinheiten, Muskelaufbau und so weiter gehören nun zu meinem Alltag. Mal mehr, mal weniger intensiv. Wenn ich mich nicht in der Lage fühle, abends eine Stunde durch die Felder zu walken, mache ich halt Entspannungsübungen.

Anfänglich postete ich über eine Fitness-App genau diese Einheiten auf meiner privaten Facebookseite. Das mache ich gerade nicht mehr.

Warum?

Jemand, der das wohl im positiven Sinne verfolgte, bemerkte plötzlich (als genau diese meiner Statusmeldungen ausblieben), dass das wohl nur eine Phase war, mein Gewichtsreduzierungsehrgeiz. Mir wurde in diesem Moment seine Vermutung in den Mund gelegt, anstatt dass er mich fragte, warum diese ollen Postings plötzlich ausfallen.

Früher hätte ich mich wohl gerechtfertigt, warum und weshalb ich das nicht mehr permanent öffentlich mitteile, vor allem, dass ich es oft schlicht und einfach vergaß. Jetzt hat mir diese Aussage geholfen, mich eben nicht zu rechtfertigen. Eventuell auch, weil ich die Tatsache der fehlenden Postings meiner Fitness-App nicht als schlimm empfand.

Online sein. Alles mitbekommen können. Und alles mitteilen können.

Ich teile gerne diverse Lebensereignisse mit (Facebook-)Freunden. Ich tausche mich gerne aus, was Fotografie, Schreiben und manchmal auch die MS betrifft, Stricken, vegane Ernährung und die Hunde sind ebenfalls Themen, die ich ab und an gut und gerne in einer Gruppe bequatsche. Auf andere Postings bezogen bin ich eher der stille Mitleser und schreibe, wenn ich es für angebracht halte und nicht das Gefühl habe, mich negativ einzumischen, lieber eine private Nachricht.

Aber ebenso fällt mir auf, wie sehr man durch ein einziges Facebookprofil zu meinen scheint, den Menschen am anderen PC sitzend zu kennen, selbst wenn man sich noch nie real begegnet ist, in diesem Leben.

Ich puzzle mir teilweise die Statusmeldungen zu einer Person zusammen. Unter idiotischer Missachtung der Tatsache, dass diese Statusmeldungen nur ein Bruchteil des wirklichen Lebens sein könnten. Egal, wie viel derjenige täglich preisgibt. Das ist komisch.

Frage mich, wie es Menschen geht, die keine Familie, keine Freunde, keinen Job, also keinerlei sozialen „normalen“ Kontakte haben können. Wie es jungen Menschen geht, die mit Facebook und Co. aufwachsen und das Smartphone zur 08/15-Wickelkommodenausstattung gehört.

Zurück zu meiner Abnehmsache.

Es ist so herrlich stressfrei, sich von auffressenden Gedanken zu befreien. Lockerer zu werden und gleichzeitig zu merken, wie eben einfach alles lockerer wird.

Letzten Sommer, da purzelten gerade um die 10 kg von meinen Hüften, traf ich mehrere meiner Hundefreunde. Als drei Bekannte noch einige Meter von mir entfernt waren und vom Parkplatz auf mich zukamen, hörte ich eine sagen: „Hö! Die hat ja wirklich was abgen….!“ Eine andere: „Pscht!“

Wo ist das Problem? Schreiben geht, sprechen nicht so.

Bis heute habe ich das nicht angesprochen, jedoch ist es mir in belustigender Erinnerung geblieben.

Es macht mir auch nicht mehr viel aus, wenn Menschen es nicht verstehen (wollen), wenn ich mich mal mehrere Tage nicht per Whatsapp oder Mail bei Facebook melde. Im Gegensatz greife ich schlichtweg zum Telefon, wenn ich das Gefühl habe, von Xy oder Yx längere Zeit nichts mehr gelesen oder gehört zu haben und sich sorgenvolle Gedanken einschleichen. Es bringt nichts, meinen Freunden vorzuwerfen, dass sie sich ja gar nicht mehr melden, nur weil ich mir gerade Sorgen mache.

Ach, wie ging das früher?

Da hatten meine Eltern ein Festnetztelefon – welches ich äußerst selten nutzen durfte. Und trotzdem bestand meine Freizeit aus zahlreichen Verabredungen und Unternehmungen.

Soziale Medien sind toll. Sie haben viele Vorteile und können wahrlich ein Draht zur Außenwelt sein, wenn man an dieser nicht mehr aktiv teilhaben kann.

Aber sie können auch stumm, blind und taub machen

Vielleicht hilft das Vorhaben, in echt wieder ein wenig mehr zu reden, hinzusehen und zuzuhören.

Und so die Möglichkeiten der virtuellen Welt als schöne Ergänzung zum realen Miteinander zu sehen.

Ich geb mir Mühe.

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