Rausschmiss.

Warum ich denn kein Fleisch mehr esse.

Warum ich seit einigen Monaten vegan lebe(n will).

Warum ich denn nicht noch mehr an meiner Gewichtsreduktion arbeite.

Warum ich tätowiert bin.

Warum ich so offen mit meiner MS umgehe.

Warum. Warum. Warum.

Was fällt auf?

Hinter keinem dieser Sätze steht ein Fragezeichen.

Warum?

Weil diese verbalen Knallbonbons, die aus den Luftholhöhlen mancher Menschen kommen, keine Fragen sind, sondern dumme Bemerkungen. Ohne Anzeichen von jeglichem Interesse. Ohne den kleinsten Einsatz von Empathie oder den Willen, einer Antwort zu lauschen und fremde Ansichten wahrzunehmen.

Bei solchen Menschen spüre ich quasi schon, wie nach dem vorwurfsvoll gesprochenen Punkt am Satzende die Belehrung mit den Hufen scharrend darauf wartet, mit Tamtam und Getöse zum Vorschein kommen zu dürfen.

Aber…wäre es nicht…solltest Du nicht…wusstest Du nicht…?

Komisch, das sind dann plötzlich Fragen.

Ne.

Raus aus meinem Dunstkreis, jetzt.

Ich halte es da seit gut einem Jahr wie ein Mensch, der mir sehr viel beigebracht hat: ich antworte nur noch, wenn ich gefragt werde.

Diese Menschen, wir Menschen, die zuviel Schlaumeierlimonade getrunken haben, haben nach meinem Empfinden ein sehr großes Nähe-Distanz-Problem.

Ob genau die Leute wildfremden Menschen auch einfach so um den Hals fallen und ihnen die spuckenassen Finger in die Ohren stecken würden, wenn man es mal körperlich darstellen will?

Erst gestern war genau das Thema zwischen zwei Freundinnen und mir, da wir alle drei diese Woche damit zu tun hatten.

Als sehr harmloses Beispiel:

Ich war beim Arzt, und die Sprechstundenhilfe duzte mich plötzlich. Als ich auf ihre Nicht-Frage ebenfalls mit einem „Du“ antwortete, schaute sie mich an, als hätte ich ihr gerade auf norwegisch erklärt, wie man einen Gurkensalat zubereitet.

Huch! Ein Spiegel.

Wenn Jemand wirklich wissen möchte, warum ich seit vier Jahren auf Fleisch verzichte, erzähle ich es ihm sehr gerne.

Ebenso hält es sich mit den anderen Bereichen im Leben, die einfach nicht nur schwarz oder weiß, sondern grau bis extrem bunt sein können und sind.

Was bringt es mir, einen anderen Menschen umkrempeln zu wollen, ihn bekehren zu wollen, ihn mit verletzendem Verhalten zu erniedrigen, temporär zu entmündigen, ihm einfach zu nahe zu treten? Und schon diese Frage ist zu egoistisch, wenn ich schreibe, was es mir bringt.

Wichtiger ist: was macht es mit meinem Gegenüber? Und warum macht diese Reaktion dann nichts mit denen, die sie auslösen?

Ich für mich entscheide, dass ich diese Menschen aus meinem Dunstkreis verbanne, sie raus werfe, insofern ich sie vorher schon habe näher an mich ran treten lassen.

Und übe mich selbst weiterhin darin, genau diese unbedingt nötige, höfliche, respektvolle und somit auch Nähe schaffende Distanz zu wahren.

Auf ein gutes Beobachten.

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