Ein Eimer voller Farbe.

Jeder Tag ist ein Geschenk.

Auch wenn ich mein fleißig geschärftes Bewusstsein nicht jeden Tag auf diese Tatsache lenke, ist und bleibt es trotzdem eine.

Wieso?

Wir haben keine Garantie für eine Endlichkeit.

Wir haben keine Garantie für Schönes und Wohltuendes.

Wir haben keine Garantie, von Freunden und Familie überlebt zu werden und somit zuerst zu gehen.

Welche Reise liegt vor uns?

Welche Reise liegt vor mir?

Menschen erschrecken, werden sprachlos und erstarren, wenn junge Menschen sterben. Geht ein alter Mensch von dieser Welt, gilt dies in aller Regel als normal.

Wenn alte Menschen sich auf ihre letzte Reise machen, wird zu der Floskel gegriffen: „Dieser Mensch wurde doch so alt, er hat sein Leben gelebt.“ Nun, es gibt Menschen, die sind 80 und würden auch noch gerne ihren 100. Geburtstag erleben. Gibt es nicht? Doch…und wie. Auch gibt es 30jährige, die nicht mit dem nahenden Tod hadern, sondern okay damit sind. Die ihr Leben gelebt, ausgekostet haben, mit allem Furchtbaren und allem Wundervollen, was es zu bieten hatte. Und dann ist es so, wie es ist, okay.

Je mehr Menschen ich begleiten darf, desto offener und bunter wird meine Einstellung zu dem, was wir häufig als so unfassbar selbstverständlich ansehen: unser Dasein.

So wunderbar ein luftig-beschwingtes Denken ist, so naiv ist es vielleicht auch, glaube ich manchmal. Eine gewisse Tiefe schadet uns nicht; und sei sie einfach dafür gut, uns abtauchen zu lassen und ein Verkrümmeln zu ermöglichen. Rückzugsorte? Bettdecke, Kissenhöhle, Wald, Strandhaus und die Akzeptanz, dass wir uns für eine bestimmte…nein, unbestimmte Zeit als Gast in einem Haus befinden, das wir Körper nennen.

Ich habe den Farbeimer in der Hand und die Aufgabe, die Abwechslung, die nötig ist, um zu wachsen, zu reifen, trotzdem Kind zu bleiben und den Ernst von dem eher-nicht-so-ganz-argem-Ernst zu unterscheiden, in mein Leben zu pinseln.

Wo komme ich her, wo will ich hin, bevor die Reise weitergeht?

Ich komme Montagmorgen zur Arbeit und Jemand stellt Blumen vor meine Bürotür.

Was für eine Freude!

Ein paar Tage später welken die Blumen, altern, schrumpeln.

Sie sind nach wie vor bunt, nur ihre Haltung hat sich lediglich verändert.

Und die Freude, die sie mir gebracht haben, schmeckt noch immer gut.

Die Vase duftet noch immer nach Blumenwiese.

Momente wahrnehmen, aufnehmen, sie abspeichern. Und zwar so, dass man sie wie alte Familiendias hervorholen und sich daran erfreuen kann, wenn der Farbeimer mal leer zu sein scheint.

Nein, es schadet nicht, sich bewusst zu machen, was uns alle vereint, egal, wie unterschiedlich (scheiße oder toll) wir uns und andere, das Lassen und das Sein finden: die eigene Sterblichkeit.

Ich wünsche uns allen stets gut gefüllte Farbeimer, große und kleine Pinsel und die Kreativität, die nötig ist, um aus Farbklecksen erlebbare Momente zu zaubern.

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