Ich. Du. Wer?

Ja, das ist schon so eine Sache mit dem „ganz bei sich selbst sein“.

Und wenn man das einmal ist, bei sich, isses gar nicht so einfach, dort auch zu bleiben.

Ungeahnte Unwetter drohen mit Starkregen, Starkstromgefahr. Ein einziger Blitz entzweit diesen körper- und kopfeigenen Zusammenhalt ganz plötzlich.

Manchmal sind diese Unwetter auch Menschen. Welche, die einem sagen, dass man eben das tun soll. Bei sich sein. Bleiben. Zu sich stehen. Offen sein für Neues, sich aber nicht verbiegen. Nene, nur nicht verbiegen.

Vielleicht ist verbiegen aber manchmal auch entwickeln – über den Tellerrand gucken geht auch nur, wenn man den Hals streckt und reckt.

Und oftmals, nein, mehr als häufig schießt mir durch den Kopf: „Danke, das weiß ich selbst. Danke, das ist mir klar. Danke, ich denke auch selbst schon eine ganze Weile. Danke, halt jetzt, kennst Du mich wirklich?“

Dieses Belehren…

Womit wir wieder beim Thema sind.

Denn oft, oft, oft sind es diese Belehrenden, die dann ein Gewitter mit sich tragen, welches dafür sorgt, dass die eigene, unfassbar überfüllte Regentonne platzt.

So geschehen.

Wie kann man monatelang anderen predigen, sie sollen bei sich bleiben, wenn Unmut entsteht, und dann selbst einen derartigen Unmut verzapfen, dass selbst eine Gewitterwolke plötzlich die Klappe hält?

Und ja, natürlich schwappt die Regentonne des anderen irgendwann über.

Meine schwappte über.

Ich verlor in den letzten Wochen Menschen.

Menschen meines privaten Umfeldes starben, und ich? Ich trauere. Völlig okay, völlig normal, völlig wichtig.

Wären da nicht die Belehrenden, die ein riesiges, leuchtendes, blinkendes Schild mit der Aufschrift „Aufmerksamkeit! Hier! Ich!“ in die Höhe halten und anderen mit diesem Schild auf den Kopf zu tippen scheinen. Auch auf trauernde Köpfe, Köpfe, die gerade einfach privat mal für sich sein wollen. Nur. Für. Sich.

Tropf.

Kein Wort der Anteilnahme, kein Verständnis für das eindeutige, klare „Stop!“ des anderen. Im Ansatz? Nichts. Keinstens.

Tropf, tropf.

Es gibt so Menschen, ja, die bringen meine ganz persönliche Regentonne irgendwann zum Überlaufen. Zum Glück.

Aber auch: Was zum Teufel? Die Belehrenden haben oftmals eine bestimmte Eigenschaft. Sie sind sehr schreckhaft. Nämlich dann, wenn das Gegenüber aus dem Unterrichtsgeschehen ausbricht und spricht. Für sich und seine Meinung.

Ich werde und will lernen, es erst gar nicht zum Überlaufen kommen zu lassen.

Schwierig? Ja.

Warum? Weil man während der brodelnden, zischenden Unwetter schon das eigene, leuchtende „Stop!“-Schild in die Luft heben muss, um ein Überlaufen zu verhindern. Ohne vom Sturm umgeweht zu werden.

ÜBERlaufen. Das bedeutet, es ist zuviel, es ist genug, es reicht.

Lustig wird dieses Gestoppe keinesfalls, das war es nie, glaube ich.

Aber es rettet Nervenzellen und schützt vor völlig vergrübelten Nächten, die meinem Kopf signalisieren, dass er den nächsten Tag nur in einem diesigen, vernebelten Zustand übersteht, wenn er so weitermacht.

Also übe ich mich im Stoppen, im gleichzeitigen Weitergehen und lasse mir mehr als einmal die so gehasste Floskel, die ich früher so oft zu hören bekam, durch den Kopf gehen: „Du bist einfach zu lieb.“

Lieb ist sowas wie nett. Urhgs.

Böse gesagt. Ihr wisst, das dies nur im Zusammenhang mit diesem Text steht, hoffe ich doch.

Ich mag Menschen nicht sonderlich, die nur schwarz und weiß können. Ob sehen oder denken, egal. Ich bin mein eigener Experte, genau und ebenso, wie die Belehrenden dies auch sind. Ich kann gut entscheiden, wohin meine Reise geht, und vor allem, wann mal Pausen vonnöten sind. Aber ich muss andere nicht auf Zwang mitnehmen, obwohl sie in eine ganz andere Richtung gehen wollen.

Ein Wunsch an die, die so gerne und oft mit dem Zeigefinger wedeln und die Gesellschaft mit ihren, aus irgendwelchen Facebook-Foren entnommenen, Lebensweisheiten beglücken wollen, könnten ihren Expertenstandard vielleicht um eine wichtige „Weisheit“ erweitern…

…eigens auferlegte Pausen tun gut. Manchmal ist es überaus bereichernd, einfach mal zuzuhören, hinzugucken und sich, wie ein ungefülltes Glas, mit Neuem, Leisem und Fremdem berieseln und (er-)füllen zu lassen. Mitgehen, nur ein paar Schritte, so weit und so lang, wie man kann. Sich hinten anstellen, vor allem die eigene Meinung, die eigene Überzeugung. Einfach mal so. Nein, nicht unterdrücken oder fallen lassen, nur mal aussetzen und sich auf den anderen einlassen. Wenn es mal weh tut, ist nicht schlimm. Fühlt es sich seltsam, ungewohnt, unruhig an? Keine Sorge, da ordnet sich gerade einfach so einiges. Gucken, hören, fühlen, was da so vor sich geht, in einem anderen Leben.

Ich glaube, das nennt man Empathie.

Ein bisschen.

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