Von Dummen und Denkern.

Es wird früh dunkel draußen. Und in diesem Jahr jeden Tag auch ein wenig in mir, auf meine Stimmung bezogen. Jalousie oben, Jalousie unten.

Das hat nichts mit meinem Wohlbefinden zuhause zu tun, ich mache es mir gemütlich, angenehm hell und kuschelig.

Der Grund ist ein, ich empfinde es so, knallrotes, leuchtendes Warnschild von der MS ausgehend. Dieses zeigt mit dickem Zeigefinger auf die Entwicklung meiner Krankheit. Vehement. Und manchmal beginnend beängstigend.

Aufgrund einiger Vorfälle bin ich zur Zeit außer Gefecht gesetzt. Missempfindungen, Schmerzen…und ein sehr bescheidenes Gangbild, vor allem, sobald ich in der Dämmerung und im Dunklen rausgehe und dort, wo ich hingehe, kaum oder kein Straßenlicht vorhanden ist.

Selbst meine hochmoderne Stirnlampe hilft da nicht, da dieses Vorantapsen zwar mit meiner Sehfähigkeit, aber eben auch mit meinem Körpergefühl zu tun hat. Bei Regen ist das ganze noch schlimmer.

Ich habe Probleme, zu ertasten, was unter meinen Füßen stattfindet. Mein Gleichgewicht sagt ab einem gewissen, schummerigen Licht „Pustekuchen“. Ohne Streusel und Schlagsahne. Und so stolpere ich durch die Gegend, stoße mich, sitze auch mal auf meinem Hintern oder bin so langsam und vor und zurück zuckend unterwegs wie ein Chamäleon.

Das geht wirklich an die Substanz. Ich vergleiche mittlerweile solche schubweisen Entwicklungen mit meinem jeweiligen Zustand im vorherigen Jahr. Da muss ich manchmal wirklich schlucken. Oder einfach losheulen. Leise, weils wirklich wehtut und irgendwie so unrealistisch ist, was diese Krankheit macht. Laut, weils danach nicht besser ist, aber es mir danach besser geht.

Als würde das nicht reichen, gibt es gerade diverse, wenige Leute in meinem Leben, die tatsächlich meinen, man könne so einen Zustand erfinden, simulieren, schauspielern, whatever. Ja, ich dachte, über solch dumme Menschen und deren krankes Denken sei ich langsam aber sicher mal hinweg. Bin ich noch nicht ganz, mich verletzt soetwas. Es ärgert mich, es stresst mich im negativen Sinne, und das ist Gift. Aber ich rate mir selbst nicht, ruhig zu bleiben oder so einen Mist künstlich wegzulächeln. Nein. Ich ärgere mich, lasse den Druck raus, bin wütend, guck die Emotionen an, die da hochkommen.

Ja, genau das ist es. Ich gucke mir das an. Nicht einmal mehr das, was diese Gefühle auslöst, da ist wirklich alle Hoffnung verloren, denn solche Menschen wollen einfach so sein. Böses streuen. Unsicherheit streuen. Sollen sie.

Aber ich gucke mir an, was es mit mir macht. So kann ich es verstoffwechseln und in eine erneute Runde gehen, zu lernen, dass ich mit der Zeit immer mehr drüberstehe und es irgendwann vielleicht erst gar nicht mehr zu diesen inneren Stromschlägen kommt.

Alles hat seine Zeit. Wahrscheinlich bin ich noch nicht so weit, dass ich das an mir abprallen lasse, wie einen Flummi an einer Betonwand. Und eventuell bin ich das auch nie. Aber der Weg des Umgangs wird…sagen wir: fortschrittlicher.

Mal wieder freue ich mich über meine Freunde und meine Familie, die mir dann abendliche Gassigänge mit den Jungs abnehmen, wenn wir nicht gerade irgendwo sind, wo es eben gute Straßenbeleuchtung gibt. Und ich freue mich über unseren, nicht gerade kleinen Garten, in dem sie sich im totalen Notfall auch einfach direkt vor Ort toll austoben können.

In drei Wochen Wochen haben meine Eltern ihre erste „richtige“ Nacht hier im neuen Haus verbracht – dann heißt es „WIR sind zuhause!“. Nur noch drei Wochen, Wahnsinn!

Lichtblick, Lichtblick, du wirst so dringend benötig.

Und freudig erwartet.

 

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