Im Kopf.

Was ist Normalität? Welche Bedeutung hat die alte, eine neue und gibt es die überhaupt?

Wenn Freunde über die Jahre mitbekommen, wie sehr die MS an mir nagt, wenn sie plötzlich Tränen in den Augen haben, an manchen Tagen, wenn man ihn in Zeitraffer an mir darstellen könnte, den Verlauf…

…irgendwie kann ich das. Auch ohne technischen Schnickschnack.

Ich schaue mir Fotos an, die zwei, drei Jahre alt sind. Und vergleiche sie mit den aktuellen.

Ich erinnere mich an die damaligen Unternehmungen, an die spontanen, wirklich spontanen Erlebnisse. Die wachen Nächte, die verschlafenen Tage. Und mein Herz schmerzt.

Ich vergleiche meine Fähigkeit, mich innerhalb kurzer Zeit morgens fertig zu machen und fit zu sein, auf den Beinen zu stehen. Und zwar stabil.

Das alles tut mir gerade weh. Weil eine körperliche Baustelle nach der anderen auftaucht, Ernstes, mit dem ich nicht gerechnet habe. Wer rechnet schon mit noch einer Baustelle und noch einer…

Auf alles gefasst sein. Das finde ich furchtbar anstrengend und niederdrückend. Jedenfalls dann, wenn man nichts anderes mehr im Kopf hat, als auf der Hut zu sein.

Im positiven Sinne rechnet man eben mit all dem, was eintreten kann. Dazu gehört nicht nur Schönes. Das ist doof. Und doch Entwicklung.

Wie bei sovielen entstehenden Texten komme ich mir auch hier so naiv vor. So viel Tiefes schlummert in mir, die Gedanken tanzen wie auf einer Starkstromleitung, wollen hinaus, wollen in wunderschöne, schrecklich klare Worte gekleidet werden. Aber da ist diese Blockade.

Wenn ich versuche, mit an Regentagen die Sonne ins Haus zu holen, bemerke ich meine schmerzenden Körperstellen. Oder die, die ich eben gar nicht mehr wahrnehme. Wieso hindern die mich eigentlich an spontanen Erlebnissen? Wieso sehe ich auf den alten Fotos diesen noch frischen, jungen Menschen, der heute zehn Jahre älter aussieht, obwohl genau diese Zeit gar nicht verging? Warum gewöhne ich mich nicht endlich an meine langsamer werdenden Bewegungen?

Irgendwie braucht es manchmal lange, um Realitäten als solche anzuerkennen. Und sacken zu lassen. Anerkennung kann höllisch weh tun, wie so manche Körperstellen. Und der Weg dahin kann lang sein, langsam. Wie ich. Die Wahrheit, bis man sie erkennt, ist vielleicht erst noch frisch, noch nicht so schlimm, weil noch nicht so klar. Und dann, wenn man sie erkennt, ist sie hässlich.

Vielleicht verinnerliche ich mir das Bild eines kleinen, langsamen Bachlaufs, der früher mal sprudelnd, klar, schnell und weich war. Wenn dieser nun irgendwann wieder ins Meer fließt, wäre alles gut. Er wäre wieder heil.

Also bin ich wohl gedanklich da angekommen, wo mein Körper schon längere Zeit verweilt. Er war auf dem Sprung, stockte. Und ich habe ihn eingeholt.

Das schmerzt.

 

 

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