Felsen.

Was geht in meinem Kopf vor?

Was würde darin vorgehen, wenn die MS nicht vorhanden wäre?

Und was nicht?

Meine Läsionen sind Stempel. Wüsste ich, an welchem Tag zu welchem Zeitpunkt welche entstand oder sich entwickelte, beziehungsweise sich ein Teil meiner selbst auflöste, wäre hier oder da eventuell ein Puzzle vollständiger, als es jetzt aktuell scheint.

Was ich ganz sicher weiß, völlig unabhängig vom „Wann? Wie? Warum?“-Gegrübel, ist, dass ich immer die Möglichkeit habe, um Hilfe zu bitten. Und um Halt. Ich habe Menschen um mich herum, die mehr sind, als Felsen in der Brandung.

Sie sind mein Netz, der doppelte Boden, der immer öfter benötigt wird.

Wenn Wolke 7 mich von sich schubst, sind da die Wolken 1-6, auf die ich manchmal heftig, aber immerhin noch weich genug falle, um glimpflich davonzukommen.

Ellbogen-, Knie- und Handgelenkschoner sind ein Scheiß gegen das, was meine Familie und meine engen Freunde für mich tun. Und am meisten, am allermeisten ist es tatsächlich die Leistung, mich in den schmerzhafteten Zeiten zu (er-)tragen. Davor ziehe ich meinen Hut.

Sie sagen so oft, ich sei auch da. In Krisen, in dunklen, hoffnungslosen Zeiten. Ja, das bin ich. Ich liebe sie, natürlich bin ich das.

Dennoch wiege ich nichts auf, auch wenn der Gedanke von „Geben und Nehmen“ ein sehr schöner, fairer und angenehmer ist.

Aber die Realität ist eben nicht immer schön,  fair und angenehm. Da entsteht schon mal eine Geben-Geben-Geben-Nehmen-Geben….-Situation. Oder, wie bei mir gerade gefühlt Nehmen-Nehmen-Nehmen. Und ich tue mich so schwer damit, um Hilfe zu bitten oder sie anzunehmen. Noch immer.

Keine falsche Eitelkeit, nein. Ich bin dankbar.

Aber abhängig sein, wenn es um ganz alltägliche Dinge geht, die manchmal nicht mehr so  einfach drin sind, ist ein für mich manchmal niederschmetterndes Gefühl. Welches mit Sonne umworben wird, wenn diese Hilfe dann erfolgt ist. Und welche mich über Wolke 7 hinauskatapultiert, wenn ich etwas zurückgeben kann.

Aus ganzem Herzen.

Also erinnert mich auch jede Läsion in meinem Kopf, in meinem Rückenmark, an die, die in genau diesen Momenten, die mich förmlich auflösen, Stück für Stück…für mich da sind und mir helfen, mich wieder zurecht zu ruckeln. Mich zu ordnen, jedes Mal aufs Neue, wenn ich einen Teil von mir verliere. Irgendwie macht die MS, trotzdem sie mir Körpersubstanz nimmt, dass ich mehr und mehr gewinne.

Mut, Kraft, Klarheit, Ruhe und Geduld.

Und Herzensmenschen.

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