Das Beste.

Ich gehe aus der Haustür und laufe die zwei Stufen zur Wiese hinterm Haus runter. Links ein Strandkorb, rechts ein paar Schnucken.

Als ich den Kopf langsam hebe und nach vorne schaue sehe ich das Meer.

Achtzig Meter trennen mich vom Wasser, die Luft ist rau und salzig, sie weht stürmisch und lustig um meinen Kopf. Die Sonne spielt Verstecken. Sie liebt mich…sie liebt mich nicht…

Ich laufe um das Ferienhaus herum und steige zu Roman und den Hunden ins Auto. Musik an, Kopf aus.

Tschüß, Alltag. Dich habe ich schon auf der Fähre verloren.

Gar nicht schade.

Wir fahren die kurze Strecke durch die Felder, an Kiefernwäldern vorbei zur anderen Inselseite. Meine Beine und mein (Un-)Gleichgewicht danken es uns.

Kaum auf dem Parkplatz zum Stehen gekommen, flippen die Jungs hinten im Kofferraum aus vor Freude. Sie wissen, wo wir sind. Sie kennen diesen Ort. Und sie lieben ihn.

Wir steigen aus, grinsen, schnappen uns Rucksack, Hundeleinen, Hunde, Kamera und wandern los.

Die Holzstege unter unseren Füßen federn und der erste feine, weiße Sand weht uns entgegen. Linksseitig dreht das Feuer des Leuchtturms stoisch seine Runden. Da war ich schon oben, denke ich stolz. Diese Aussicht über meine Lieblinsinsel, diese Weite…nichts kann dieses Gefühl beschreiben, mit schweren Bleibeinen und kribbelnden Gliedern diese ganzen Stufen zu erklimmen und oben zu sein. Einfach oben. Über allem.

Stimmungshoch hoch zehn.

Auf dem Weg zum Strand kommen uns Spaziergänger mit Kindern und Gassileute mit ihren Fellkindern entgegen, grinsen ebenso ununterbrochen, wie wir es tun. Dieser Ort hat was Magisches. Man kann einfach nicht grummelig gucken, jedenfalls nicht lang. Nicht bei dieser Aussicht.

Diese Aussicht!

Die letzten paar Meter Holzsteg und Teer, links und rechts die Dünen, wenige Atemzüge trennen uns vom ewig langen und gefühlt unendlich weiten Strand.

Die Hunde springen an der Leine hoch wie Flummis, drehen sich um sich selbst, stupsen sich an, traben neben uns her, wittern, schließen die Augen…grinsen.

In der erlaubten Zone klicken die Karabiner. Ein kurzes Höflichkeits-Sitz. Die beiden gucken sich an. Und dann preschen sie los. Dieses Bild nehme ich mit, über meinen Tod hinaus, auf ewig. Ich liebe es. Dieses Glück, was in ihrer Brust pulsiert, die Pfoten berühren den Boden nicht mehr, so scheint es. Zeit und Raum vergessen, Freude, einfach nur pure Lebensfreude. Zwei Freunde und das Meer.

Manchmal fühlt es sich so an, als schwebte ich mit über den Strand. Sie laufen für mich mit. Je langsamer ich bin, umso schneller fliegen sie durch die Welt.

Nach den ersten Runden kommen sie zu uns zurück, traben neben uns her, waten durch die Wasserkante, buddeln im Sand, knabbern an Treibholz rum oder legen sich in die letzten, wärmenden Strahlen der Abendsonne, die gerade untergeht.

Ich strecke meine Nase in den Wind, atme tief ein, höre permanent diese hoch euphorischen Bässe und Höhen in meinem Ohr, die einer Feiermusik gleichkommen, ja, einer Lebensfeier. Hier bin ich, ich lebe, ich genieße, ich laufe und lache.

Geile Zeit.

Bei mir das Liebste, was ich habe. Und es freut sich, es ist glücklich, es lebt den Moment. An einem traumhaft schönen Platz auf dieser Welt. Für mich der schönste, den es gibt.

Was ist Glück?

Das.

 

 

 

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