Reue. Liebe. Vorwärts.

Gibt es etwas, das Du bereust?
Wie fühlt sich das an und: wie gehst Du damit um?

Seitdem ich wieder sportlich unterwegs bin, läuft mir diese Frage öfter über den Weg.

„Warum habe ich das so lange schleifen lassen?“

Na, die MS stand und steht oft genug im Weg.

„Warum habe ich sie denn nicht einfach mit eingepackt?“

Da kreisen die Gedanken.

Klar, ich schaffe es sicherlich nicht, mich jeden Tag aufzuraffen, und mit den Schmerzen und Co. eine Runde ums Dorf zu drehen, nein.
Jeder Tag ist anders, beim Gesunden, beim Kranken.

Ich sprach meinen Schmerztherapeuten darauf an. „Die Dosis macht das Gift.“ Soll heißen, ich lege mir selbst ein Pensum zurecht, mit dem es mir nachher nicht mieser geht, als vorher. Und, was soll ich sagen? Bisher bekomme ich das gut gewuppt.

Also: warum erst jetzt?

Vor einigen Jahren sprach ich mit einem über 80jährigen Mann im Rahmen eines Biographiegesprächs über das Thema Reue.

Er erzählte mir, dass sein Sohn sich sechs Monate zuvor das Leben nahm. Eine Woche nach seiner Hochzeit wählte er den Schienensuizid.

Das Verhältnis der beiden war immer gut. „Gut. Das reichte nicht. Ich erreichte ihn nicht.“

Was er sich im Nachhinein für Gedanken machen würde, fragte ich ihn.

„Ich bereue, ihm zwar immer zugehört, aber nie richtig hingehört zu haben. Vielleicht wäre er dann noch bei mir.“

Hier wiegt das Gefühl einer Schuld schwer, des Verpassens eines Punktes, an dem man noch hätte etwas ändern können. Oder erst einmal feststellen, dass etwas im Argen liegt.

Er sagte, dass er ohne seinen besten Freund nicht gewusst hätte, wie er die ersten Wochen und Monate bisher hätte schaffen sollen. Dieser Freund machte ihm klar, dass kein Schuldeingeständnis, keine Schuldzuweisung oder Schuldfrage dieser Welt seinen Sohn zurückbringen kann.

„Abends bat ich ihn um Verzeihung. Ich träume viel von ihm, und dann geht es ihm gut. Immer. Ich fühle mich ihm näher, als vorher. Das ist gut. Ich weiß nicht, wohin mich meine Trauer noch führt. Aber das jetzt, das tut mir gut.“

Was bereust Du?

Hast auch Du Probleme mit Deinem inneren Schweinehund? Oder konntest keine Worte mehr an einen Menschen richten, dem sie gehören sollten?
Oder stehst Du auf der anderen Seite und wünschst Dir sehnlichst, dass Du gesehen und gehört wirst? Zerreisst es Dir das Herz, dass die Welt an Dir vorbeieilt, ohne Dich anzublicken?

Ruf doch mal laut Stopp.

Wir sind schon seltsam, wir Menschen. Schieben Dinge auf morgen, wie aufräumen, Wäsche machen und Fenster putzen. Oder Sport machen. Oder Reden.

Dass in allem Schlechten etwas Gutes steckt, ist für mich klar. Denn wir lernen, im besten Falle, aus solchen Erlebnissen.
Dass es mir besser geht, wenn ich in Bewegung bin. Bewegung heißt für mich: Es geht nach vorne.
Dass ein Vater, der seinen Sohn mittlerweile nicht nur als geliebten Umriss betrachtet, im hohen Alter trauert und überlegt, wie es anders hätte sein können. Und wie es anders geht, zukünftig.

Stand heute Jemand neben Dir, den Du von Herzen magst?
Schriebst Du heute mit Jemandem, den Du schon länger auf etwas aufmerksam machen wolltest, das Dich belastet, berührt?
Suchtest Du heute nach etwas, das Dir gut tut, nach Seelenzucker und Herzenswärme?

 

Hey, Du: Mach doch einfach.

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Ein Gedanke zu “Reue. Liebe. Vorwärts.

  1. Verzeihung sagen finde ich gut (innerlich), es befreit auch alte Wunden glaube ich. Selbstreflektion ist sehr wichtig. Reue allerdings heißt allzu oft, dass wir abspalten bzw in Frage stellen, wer wir früher waren (und was uns zu dem machte, was wir heute sind).

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