Nerven.

Ich befinde mich gerade in einem Kellergeschoss.

Eigentlich in meinem persönlichen. Ich kenne es gut, jedoch macht es mir gerade fast Angst.

Seit vorletztem Donnerstag erlebe ich meine Trigeminusneuropathie in einer neuen Dimension.

Nachdem eine Zahnärztin zum ich weiß nicht wievielten Male an einem Zahn herumdokterte, der mir seit Monaten Probleme macht, geht mein rechtsseitiger Kiefer an die Decke – oben und unten.

Das Pfingstwochenende bestand aus mehreren Notdienstbesuchen, die Ärzte rieben sich die Hände. Denn anstatt diesen Zahn zu ziehen, wurde weiter rumort, gespritzt (insgesamt 18 Spritzen in 3 Tagen) und gebohrt.

„Eigentlich haben Sie ja total schöne Zähne, junge Frau!“

Danke. Und wie können Sie mir jetzt weiterhelfen, dass ich heute abend und morgen früh sowie zwischendurch NICHT das Bedürfnis habe, meinen Kopf gegen eine Wand zu schlagen?

Keiner half.

Eine Ärztin im UKE sagte zwar „Sie Arme! An Ihrer Stelle würde ich schon in der Ecke liegen!“, aber auf meine Frage nach einem Schmerztropf oder ähnlicher Hilfe kam nur ein „Noch mehr Schmerzmittel? Oh Gott, nein…“

Hallo? Hilfe! In diesem Moment hätte ich so gerne einen ausführlichen Vortrag über lindernde Maßnahmen in der Medizin von heute gehalten.

Da ich aber kaum reden konnte, blieb der Dame das erspart.

Am letzten Mittwoch wurde der Zahn dann gezogen. Vom Kieferchirurgen meines Vertrauens. Ich glaube, der Mann kennt sich mittlerweile besser mit MS aus, als so mancher Neurologe. Kurze Erleichterung, bevor das Dilemma wieder losging.

Ein Schub, der sich gegen jegliche Medikation aufbäumt und der mich müde und mürbe macht.

Ja, auch das geht vorbei, irgendwann.

Allein für diesen Text brauche ich jetzt schon gefühlte drei Stunden.

Ich schicke meinen Facebookfreunden seit ein paar Tagen Videobotschaften, weil ich, wenn ich lese oder schreibe, nur tanzende Doppel-Buchstaben sehe. Das macht irgendwie Spaß, also diese Videos, tut gut und ist nochmal eine Portion persönlicher, als ein einfacher Text.

So lege ich mich gleich mit Kühlpad, Mütze und sonstigem Zeug bewaffnet ins Bett und schlafe diesen seltsam-schmerzhaften Rausch aus. Keine Nacht der letzten Woche begann vor halb fünf.

Müde. Traurig. Entnervt.

 

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