Einmal Zwischenwelt und zurück.

Pfingsten.

Schön desöfteren stand ich mit dieser Zeit in einer seltsamen Verbindung. Seltsam bedeutete hier zumeist schmerzerfüllt.

Dieses Jahr ebenfalls.

Es begann am Donnerstag vor Pfingsten mit einer „Tätigkeit“ an meinem Kiefer durch eine Zahnärztin.

Und endete erst vor ein paar Tagen. Da triggerte eine Baustelle die andere. Ich lernte innerhalb von drei Tagen fünf Notärzte kennen. Einmal Zwischenwelt und zurück.

Was außer dem Kennenlernen übermüdeter, aufgeputschter und grummeliger Mediziner geschah, blenden Kopf und Körper so gut es geht aus.

Nee, ich stehe voll nicht auf Verdrängung. Ehrlich nicht. Aber…

…es gibt da so einige Lebensphasen, die will ich vergessen. Und sei es nur für eine kurze Zeit. So wie dieser immense Schmerzschub dazugehört, gehört manchmal auch die ganze MS dazu.

Kennst Du, wenn Du betroffen bist, diese unfassbar geilen Zeiten, in denen Du schlicht und einfach vergisst, dass Du eine Krankheit mit Dir herumträgst, die Dich systematisch zerfrisst?

Geile Zeiten, sehr. Denn ich hege und liebe das Gefühl, dass die MS in genau diesen Momenten die Füße stillhält. Weil sie Schiss kriegt. Weil sie denkt: „Oha, was geht los da rein?“ Weil sie merkt, dass das Menschenwesen, das sie sich für ihre fiese Attacken aus dem Hinterhalt ausgesucht hat, voll gut ohne sie kann. Dass da Freude ist. Viel Freude. Lebenslust. Und Mut, sehr viel Mut. Und Mut macht offen für gute Zeiten.

Denn:

Meine Güte, was würde ich mich denn noch trauen, nach all den Jahren mit solch ekelhaften Symptomen? Mit vermeintlichen Einschränkungen und Handicaps? Mit den ganzen miesen Prognosen, nach denen ich mich selbst schon mindestens zur Hälfte nicht mehr wiedererkennen dürfte? Wohl recht wenig. Denn wenn es meinem täglichen Denken entspräche, dass all dies immer und immer und immer wiederkommen kann, gleich, morgen oder sogar im nächsten Urlaub…

…dann würde ich inmitten meines Lebens stillstehen.

Ich würde keinen Fuß mehr vor den anderen setzen.

Ich würde in eine permanente Schonhaltung verfallen.

Ich würde andauernd furchtsam um die Ecke luken.

Aber?

Ich gehe.

Ich gehe über meine Grenzen hinaus.

Ich luke um Ecken. Jedoch halte ich nicht Ausschau nach dem nächsten ungebetenen Gast in oder an meinem Körper. Sondern nach Freude, Mut und guten Zeiten.

Und die gibt es zu Hauf. Erst Recht nach mehreren Wochen voller Schmerz und Pein.

Prinzip? Hoffnung. Selbstliebe. Achtsamkeit. Und Spaß.

Geile Zeit, Du bist herzlich willkommen!

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