Sonntags.

Durch die Jalousie macht sich Morgensonnenlicht und Vogelgezwitscher breit.

Hallo neuer Tag.

Ich drehe mich auf den Bauch, stopfe mir mein Kopfkissen unter das Kinn und ziehe mir die Decke über den Kopf.

Kindlicher Höhlenbau im Jahre 2016. Ich schnaufe aus und rolle auch noch meine Füße in die Decke ein. Meine Hunde schlafen und träumen.

Was passiert gerade? Ist es eigentlich zu fassen, all das, was sich auf und mit der Erde bewegt? Und gegen sie. Den Kopf voller Gedanken, den Bauch voller Gefühle. Das Herz stolpert mit.

Ich schaue auf meine Hände, die irgendwie ab meinem dreizehnten Lebensjahr nicht mehr so richtig mitgewachsen und -gealtert sind. Kinderhände sind das, bekomme ich oftmals zu hören.

Im Kopf auch noch ganz viel Kind. Kind sein ist alles andere als naiv, das ist viel purer. Doch manchmal komme ich mir so vor, so naiv. Gerade dann, wenn ich es nicht schaffe, meine Gedanken in die richtigen Worte zu verpacken und zu verschicken.

Wenn ich darüber nachdenke, wie ich mein weiteres Leben gestalten will, mit und in meinem Beruf, den ich über alles liebe, den ich nie und niemals nicht gegen einen anderen tauschen mag.

Wenn ich darüber nachdenke, dass ich ans Meer will, dass ich ans Meer muss, dass ich ans Meer wandere, weil ich dort heil werde und heile bin.

Wenn ich darüber nachdenke, warum es diese Ellbogenmenschen gibt, die nach außen hin suggerieren, alles sei glanzvoll, friedlich und glatt; und innen herrscht ein nicht auszuhaltender Konkurrenzkampf.

Wenn ich darüber nachdenke, welche Entwicklung in den letzten Jahren durch die MS geschehen sind, gute und schlechte, schmerzvolle und heilsame, Abschiede und Ankünfte.

Wenn ich darüber nachdenke, welche Ängste in mir hochsteigen, weil ich meinen eigenen Weg und die Wünsche für all die Etappenziele immer deutlicher und klarer formuliere und angehe. Immer wieder.

Wenn ich darüber nachdenke, dass mein eigener Mut mir manchmal Furcht bereitet und diese Furcht meinen Mut manchmal fast auffrisst.

Wenn ich darüber nachdenke, dass Nichts für immer ist, und ich mein ganz persönliches Alles, das begrenzte Alles, mit Herzensdingen, Lachen und Lernen füllen will.

Wenn ich darüber nachdenke, wieviel Zeit mir als ungewollt vorkommt und eben diese Zeit doch so wichtig war…warten…warten…abwarten.

Wenn ich darüber nachdenke, wie satt ich von sich ständig wiederholenden Sprüchen, Parolen und Boshaftigkeiten bin.

Wenn ich darüber nachdenke, wie hässlich sich die wirklich Schönen fühlen, und wie unzauberhaft die Hässlichen doch sind.

Wenn ich darüber nachdenke, wohin dieser Zauber verschwindet, was passiert, wenn er ganz und gar geht, uns verlässt, diese Welt verlässt.

Dann?

Bin ich geduldig genug? Oder ist die Grenze zwischen einer Untätigkeit und Geduld haben doch so sehr fein? Wer legt eigentlich genau diese Grenzen fest?

Augen zu, durchatmen.

Ich sammle alle Gedanken ein, ordne sie nach Fälligkeitsdatum und schließe die Augen.

Morgen ist auch noch ein Tag.

 

 

 

 

 

 

 

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