Meine Dämonen und ich.

Liebe ist was Tolles. Eine Art Lebenserlaubnis. Die kann was, die muss es geben und ohne sie wären wir ein Haufen verrohter und emotional verblödeter, ferngesteuerter Zombies.

So meine Theorie.

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich in einer festen Beziehung war.

Seitdem habe ich zwar Männer kennengelernt und mehr daraus entstehen lassen, aber der glänzend flimmerige Satz „Ich habe mich Hals über Kopf verliebt“ fehlte.

Wenn ich einen Menschen an mich heranlasse, der meinen Kopf, mein Herz und meinen Bauch so reizt, dass nur noch Herz und Bauch funktionieren, ist es wohl soweit. Dann flimmerts.

So meine Theorie.

Und so die Praxis.

Was machst Du denn mit mir?

Jetzt kommen die Warums.

Warum jetzt? Warum so krass DU? Warum eigentlich ich?

Das erste Treffen war umwerfend. So umwerfend, dass ich nach unserem ersten Küssen beim Verabschieden im Flur plötzlich im selbigen saß. Umwerfend…und so wurde es doch noch kein Abschied, sondern ein „Was machst Du denn da unten? Warte, ich hole Wasser…besser, einen kalten Lappen…so lasse ich Dich nicht nach Hause fahren.“

Es lag daran, dass ich vor Aufregung den ganzen Tag über nichts essen konnte.

Auf dem Heimweg, der tadellos unaufregend über die Bühne ging, landeten ein paar Whatsappnachrichten bei mir. Wie schön es doch war. Wie gut es sich anfühlt. Wie geil es ist, entgegen aller modernen und heutigen Ansichten, erst zu reden. Stundenlang. Über alles. Wirklich alles. Shit. Alles.

Zuhause angekommen saß ich eine Stunde lang im Auto und las mit einem riesigen Mond über meinem Kopf diese Nachrichten immer und immer wieder.

Am nächsten Tag sahen wir uns wieder. Ich blieb bis zum wiederum nächsten Tag und fuhr  als vollkommen Verliebte nach Hause. In mir tobte der Teufel. „Das geht nicht gut. Hast du ihm denn vorgestern nicht zugehört? Der ist genauso beziehungsgeschädigt wie du!“

Ja. Doch. Habe ich.

Er besitzt die selben inneren Dornen wie ich. Die uns davon abhalten, das, was an der Oberfläche gerade zu einem einzigen Wohlgefühl mutiert, auch innerlich zuzulassen.

Und so blieben wir stehen. Bis jetzt. Außen Federn, innen Dornen.

In meiner Erinnerung leuchten eine Handvoll Tage, die mir gezeigt haben, dass mich ein Mensch, der innerhalb von Stunden zu einem Nichtfremden wird, mich so annimmt, wie ich bin. Der die Augenbraue anhebt und seiner Kodderschnauze freien Lauf lässt, wenn ich ihm davon erzähle, dass ich gerade alles dafür tue, mit Hammer, Meißel und Steinfräse mein altes körperliches Ich zurück ans Tageslicht zu bringen.

„Du bist schön.“

Sag das nochmal.

„Du bist schön.“

Mein Gesichtsausdruck: ein einziges Fragezeichen.

„Schön Du bist.“

Yoda funktioniert immer.

Ich bin verliebt, mit ganz viel Kummer im Topf. Kummer wegen der Dornen. Wegen seiner Ängste. Und wegen meiner. Wegen den Schritten, die wir uns wieder voneinander entfernen, weil noch spätere Schritte noch viel weher tun würden.

Und mir bleiben zwei Abende, zwei Nächte, die sich anfühlen wie Jahre. Das ist soviel schöner, als andersrum. Mich darüber freuen, dass ich diese Gefühle erlebt habe, er auch. Und wir. Mich nicht darüber ärgern, deswegen heulen, dass es vorbei ist.

Wer weiß…vielleicht treffen wir uns irgendwann wieder.

Vielleicht sind wir dann zwar ein wenig abgeschliffen, haben aber gute Erfahrungen im Gepäck, die nicht nur an guten Gefühlen zwischen uns zweifeln, sondern um sie hoffen lassen. Vielleicht haben sich bis dahin diese beschissenen Dornen abgenutzt. Vielleicht funktionieren die Anziehungskräfte dann wieder mit voller Akkuladung. Vielleicht ist Liebe zulassen dann kein schmerzhaftes, beängstigendes Verbiegen mehr. Vielleicht ist unsere Feigheit dann weg.

Vielleicht dann, wenn ich auf ein „Du bist schön“ mit einem selbstbewussten und lächelnden „Dankeschön“ reagiere.

Vielleicht.

Der erste Schritt in Richtung Heilung ist getan. Glaube ich.

Lieben ist schön.

 

 

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