Kampfzwang.

Wenn man noch nie in der Situation war, neue Hoffnung zu schöpfen, weiß man nicht, welche Anstrengungen damit verbunden sind.

Viele nennen diesen Zustand kämpfen. Und sollte man dies (nicht mehr) tun, heißt es, man habe den Kampf aufgegeben oder ihn verloren.

Mir ist das zu aggressiv und zu plakativ und zu einfach.

Gegen gewisse Dinge, Gegebenheiten und Fakten kann man nicht angehen. Im besten Fall ist ein Arrangieren möglich, ein Mitgehen, ein kreatives und ganz individuelles Anpassen an Neues.

Würde ich alles, was mich belastet und beeinflusst, bekämpfen wollen, befände ich mich in einem ständigen und durchaus schlimmen Krieg – ich will das nicht.

Ich mag nicht morgens aufstehen und den Kampf alle 24 Stunden neu beginnen. Ich mag nicht abends ins Bett gehen und mir eventuelle Vorwürfe machen oder machen lassen müssen, dass ich vielleicht nicht zu hart gekämpft habe.

Die MS. Ihre Mitbringsel. Das Leben an sich.

Das passiert. Vieles passiert. Und natürlich würde ich hier nicht sitzen und diesen Text tippen, wenn ich nicht ein Feuer und viele, viele Lebensgeister in mir hätte, die mir immer wieder aufs Neue bestätigen, dass sich das Leben, in und mit all seinen Facetten, lohnt und (zurück) bedankt.

Es gibt diese Phasen, in denen ich aufgebe.

Das bedeutet aber nicht, dass ich pauschal alles über den Haufen werfe oder mich komplett hängen lasse.

Ich berechne nur die Route neu.

Manche Dinge gehen eben nicht mehr. Oder nicht mehr so gut, wie einst. Dafür fand und finde ich aber Alternativen und anderes Schönes.

Ich begleite Menschen, die sterben. Und ich begleite Menschen, die trauern.

Würde man diesen Menschen in ihren letzten und schwächsten Zeiten ihres Lebens sagen, sie hätten den Kampf verloren oder aufgegeben…klingelt da was?

Sterben ist wahnsinnig anstrengend. Wenn wir bei diesem Wort bleiben wollen, ist es vielleicht sogar ein Kampf. Bei diesem geht es aber nicht um gewinnen oder verlieren. Sondern um das Nicht-Gehen-Wollen oder Nicht-Gehen-Können, obwohl ein sehr schwacher, müder und kranker Körper einfach nicht mehr kann. Und will.

Trauern ist ebenso eine Art Hochleistungssport. Wir setzen uns damit auseinander, etwas für immer verloren zu haben oder es bald zu verlieren. Die eigene Gesundheit, unseren Job, einen geliebten Menschen, oder unser eigenes Leben.

Doch da gibt es in uns einige Helferlein, die all das tapfer mitmachen:

Unser Herz, unser Bauch und unser Kopf.

Wir sind anpassungsfähig, wir können so vieles schaffen und meistern. Wenn wir uns mal selbst keine Hoffnungsschnipsel in unser Leben streuen können, sollten wir vielleicht darüber nachdenken, andere zu bitten, dies für uns zu tun.

Die anderen, die bereit sind, uns aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und zu lieben. Die die Tiefsee ebenso mitertragen, wie die Höhenflüge. Auch endgültige. Ein Auf und Ab macht uns nicht weniger liebreizend, es lehrt uns viel eher, unsere Schwächen und die sich ändernden Lebensumstände anzugucken und zu verstehen.

Und uns zu kitzeln:

Für was leben wir?

 

 

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