Auf Zehenspitzen.

So manch einer schleicht sich stumm ins Leben, ein anderer erblickt mit lautem Getöse das Licht der Welt.

So oder so ist Leben leben an sich ultra mutig. Ich finde, die, die es durchziehen, haben wirklich Eier in der Hose.

Die Sensitiven unter uns hören sich an, dass sie mehr Stärke beweisen müssten. Die Starken hören sich an, dass sie mehr Feingefühl bräuchten.

Ob die Sensitiven vielleicht deshalb stark sind, weil sie mit genau diesen Vorurteilen zu kämpfen haben? Und die vermeintlich „zu“ Starken in jedem Moment, in dem keiner guckt, leise und sachte auf Zehenspitzen durchs Leben gehen, weil ihre feinfühlige Seite verkannt wird?

Niemand von uns kommt falsch auf die Welt.

Niemand findet Kriege und Missstimmung und Selbstzerstörung toll.

Niemand hat nur eine Seite.

Und bis wir als Kinder in die Systeme geraten und von ihnen geformt werden, leider häufig mit dem Älterwerden unser inneres Kind aus den Augen verlieren, obwohl es noch immer toben, schreien und 440 mal am Tag lachen will, versuchen wir, dem Außen und seinen ganzen Anforderungen zu genügen.

Anstatt zu merken, dass wir bereits genug sind.

In aller Hektik und der Anstrengung versuchen wir, immer besser, toller und lauter zu werden, und unser inneres Echtes wird immer trauriger und leiser.

Ehrgeiz ist klasse. Doch entwickeln wir ihn für uns und unser Wohlgefühl oder für den Schein, den wir für andere aussenden, um ihnen zu genügen?

Wenn Dir ein anscheinend arroganter und kühler Mensch begegnet, nimmst Du ihn als solchen wahr? Bestimmt, ich nämlich auch.

Leider schaue ich in aller Eile, die auch so häufig mit meinem „Ich will der Welt genügen“- Vorhaben zu tun hatte, eben noch immer viel zu selten hinter eine Fassade.

Was erzählt denn diese vermeintliche Arroganz? Frag doch mal. „Was ist los mit Dir? Wer hat Dich so verletzt? Vor wem willst Du Dich schützen?“

Es ist so spannend, hinter Fassaden zu gucken.

Und fair.

Und die Zeit, die ich mit den von mir selbst gebildetetn Vorurteilen verbringe, könnte ich auch dafür nutzen, Menschen besser kennenzulernen.

Und je mehr furchtbare Dinge in der Welt passieren, die in mir auslösen, es nicht fassen zu können, dass wir, als angeblich intelligenteste Lebewesen auf diesem Planeten, uns systematisch selbst zerstören, umso öfter frage ich mich zudem, was diesen Menschen wiederfahren ist, die soetwas tun.

Oft ist mir danach, immer leiser zu werden, je lauter es um mich herum wird. Wenn alle schreien, versteht sich irgendwann nämlich keiner mehr.

Diese schwere Gratwanderung zwischen Hin- und Wegsehen. Das tun, was im eigenen Bereich des Möglichen liegt. Sich trauen, ja zu sagen, sich trauen, nein zu sagen. An sich denken, und trotzdem die anderen nicht vergessen. Eine Auszeit nehmen, ohne sich selbst ins Aus zu schießen. Anwesend zu sein, ohne anderen auf die Füße zu treten.

So ein Mosaik sieht von weitem betrachtet wunderschön aus, ne? Schaut man näher hin, sind es kaputte und rubbelige Scherben, die erst im Ganzen etwas Gutes ergeben. Eine Scherbe kantiger, rubbeliger und rauher, als die andere.

Auch, wenn es den anderen mies geht, darf es mir gut gehen. Und auch, wenn anderen die Sonne aus dem Allerwertesten scheint, darf ich zweifeln und an meinem Lebenssinn rumschrauben.

Bis die lose Schraube wieder Halt hat. Bis sich vielleicht eine andere löst. Oder einfach mal alles glatt läuft. Auch das darf sein.

Leben leben ist mutig.

Schwierig und denkbar einfach.

Schrecklich-schön.

 

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