Abschiede.

„Der Platz gegenüber ist gedeckt. Schönste Teller und Silberbesteck zieren den Tisch. Im ganzen Haus duftet es nach Deinem Lieblingsessen. Ich schenke Dir den Wein ein, den Du so magst. Und trinke ihn für Dich aus. Dein Platz ist leer. Und Leise. Du fehlst.“

Wie verarbeiten wir den Verlust eines geliebten Menschen, nachdem wir ihn realisiert haben?

Schauen wir von Zeit zu Zeit durch seine Brille, wechseln die Perspektive, fragen uns: „Was hättest Du jetzt an meiner Stelle getan?“

Wenn wir den Seifenblasen nachsehen, die an einsamen Geburtstagen in den Himmel steigen und, mal schneller, mal langsamer, zerplatzen…fragen wir uns dann, was von ihm oder ihr in uns steckt? Was ein „WIR“ ausmachte und noch immer ausmacht?

Nehmen wir tagtäglich, ganz zufällig oder bewusst, Andenken und mit vielen Erinnerungen behaftete Alltagsgegenstände in die Hand? Drehen und wenden sie zwischen unseren Fingern und sehen vor unserem inneren Auge, wie dieser Schmuck an unseren Verstorbenen einmal aussah?

Wie der Duft des Parfums, dessen Flacon noch halb gefüllt ist, durch die Räume zieht, wie die Kleidung danach duftet, die Bettwäsche, in die sich nun niemand mehr einkuschelt?

In Zeiten der Wut: schreien wir uns den Schmerz von der Seele? Fragen wir unseren Gott, wie es ihm oder ihr geht? Wie behütet sie nun sind, in seiner Hand? In anderen Händen, Zwischenwelten; ob sie angekommen sind?

Wann lachen wir wieder?
Geschieht das Lachen ganz selbstverständlich oder hegen wir ein schlechtes Gewissen? Verbinden wir mit den Verstorbenen auch Humor, der uns hilft, uns wieder von einer inneren Kälte zu lösen, oder eine Ernsthaftigkeit, über die wir uns einreden, keine Fröhlichkeit mehr verspüren zu dürfen?

Das, was wir sehen, ist nicht all das, was da ist.

Da ist mehr um uns herum, über uns, zwischen uns.

Wir Menschen müssen gar nicht viel bis gar nichts sagen, um zu spüren, was in Beziehungen zu anderen los ist.

Leider verlernen wir häufig, dass unser „So ist es!“ nicht das der anderen sein muss.

Auch in Trauerangelegenheiten.

Alles darf. Das, was sein kann, darf sein.
Trauerheilung ist so bunt wie unsere Erde – es gibt nicht DIE eine Trauer.
Oder DEN einen Abschied.

Solange der Weg in eine heile Seele führt, ist er erlaubt.
Trau dich.
Trauer.

Für W.

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